Edge in the News

THIRD CULTURE NEWS [10.21.09]

Klimawandel? Leben bis 200? Genmanipulation? Nicht unbedingt. Führende Wissenschafter unserer Zeit beantworten die Frage: Was ist Ihre gefährlichste Idee?

Er ist „eine Art Denker, wie es ihn in Europa nicht gibt“, so das Turiner Weltblatt „La Stampa“. Der New Yorker Autor, Literaturagent, Unternehmens- und Politikberater John Brockman, 68, ist ein bunter Hund, ein Querdenker, der es zustande bringt, Menschen und Gedanken unter einen Hut zu bringen, die auf den ersten Blick gar nicht zusammengehören. Eines seiner zahlreichen Bücher trägt den Titel: „Einstein, Gertrude Stein, Wittgenstein und Frankenstein“ (1993). Brockman liebt die Provokation, er ist ein großer Freund der Kunst, der Wissenschaft, der Technik, der Medien und des Internets. Ein intellektueller Katalysator.

Fasziniert von neuen, ausgefallenen Ideen, ist er ein emsiger Networker. Laut seinem Freund Richard Dawkins verfügt er über „das beneidenswerteste Adressbuch in der englischsprachigen Welt“. 1997 schuf er mit der Internetplattform Edge (www.edge.org) eine Art Facebook der Denker, wo Geistesgrößen nicht nur eigene Ideen und Projekte vorstellen, sondern auch die Gedanken anderer kommentieren, „bewusst im Geist der Provokation“, wie Brockman sagt. Nach seinen eigenen Worten präsentiert Edge „spekulative Ideen, erkundet Neuland auf den Gebieten der Evolutionsbiologie, Genetik, Informatik, Neurophysiologie, Psychologie und Physik“ und gibt Antworten auf Fragen wie: Was sind die Ursprünge des Universums, des Lebens, des Geistes? Aus den spannendsten Antworten kreierte Brockman ein Buch, das kürzlich auf Deutsch erschienen ist. Ergänzt um Beiträge österreichischer Top-Wissenschafter veröffentlicht profil Auszüge aus dem Werk mit dem Titel: „Was ist Ihre gefährlichste Idee? Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit denken das Undenkbare“, herausgegeben von John Brockman. Aus dem Englischen von Hans Günter Holl. ©: 2009, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 340 S., EUR 10,30.

J. Craig Venter: Neue Genomwerkzeuge statt politischer Korrektheit
Die Technik der DNA-Sequenzierung schreitet immer schneller voran, und wir nähern uns dem Zeitpunkt, an dem es nicht mehr ein paar Humangenomsequenzen geben wird, sondern komplexe Datenbanken mit hunderttausenden und dann Millionen von vollständigen Genomen. Binnen eines Jahrzehnts werden wir rasch die kompletten genetischen Codes von Einzelnen mitsamt ihrem Repertoire an Phänotypen sammeln (…).
Zwar können wir das Verhalten anderer Säugetiere auf Gene und Genetik zurückführen, doch wenn es um den Menschen geht, scheinen wir in die Vorstellung verliebt zu sein, dass wir alle von Geburt gleich sind, dass jedes Baby eine „leere Tafel“ ist. Wenn sich aber Sequenzen von immer mehr Säugetier- und auch Humangenomen ansammeln, werden sie uns (…) zwingen, solche politisch korrekten Deutungen aufzugeben, da die neuen Genomwerkzeuge es erlauben werden, genau zwischen Erbanlage und Umwelteinfluss zu unterscheiden. (…) Die Gefahr liegt in dem, was wir bereits wissen – dass wir nicht alle von Geburt gleich sind –, und eine zusätzliche Gefahr resultiert aus der Fähigkeit, die genetische Seite der Gleichung zu quantifizieren (…).

J. Craig Venter, 63, Entschlüssler des Human­genoms, ist Gründungspräsident des J. Craig Venter ­Institute, das sich mit
synthetischer Biologie befasst.

Paul C. W. Davies: Klimaerwärmung für ein besseres Leben
Einige Länder, darunter die Vereinigten Staaten und Australien, halten daran fest, die globale Klimaerwärmung zu leugnen (…). Andere (…) befürchten das Schlimmste und wollen die Emission der Treibhausgase drastisch reduzieren. Beide Positionen sind irrelevant, da der Kampf aussichtslos ist. Trotz des jüngsten Anstiegs der Erdölpreise ist der Stoff immer noch nicht teuer genug, um ihn nicht zu verfeuern. (…) Die Verfechter drastischer Gegenmaßnahmen drohen damit, dass eine Erderwärmung das Leben verschlechtern würde. Meine gefährliche Idee ist, dass dies wahrscheinlich nicht zutrifft.

Gewiss wird (…) der Meeresspiegel steigen, was zur Überschwemmung einiger dicht besiedelter oder fruchtbarer Küstenregionen führt. Im Gegenzug könnte jedoch Sibirien zum Brotkorb der Erde aufsteigen. (…) Nichts spricht dafür, dass alles schlechter würde – doch zweifellos werden wir uns umstellen müssen, und Umstellungen sind immer schmerzhaft.

Paul C. W. Davies, 63, ist Physiker und Kosmologe an der Arizona State University und Verfasser des Buchs „So baut man eine Zeitmaschine. Eine Gebrauchsanweisung“.

Rodney Brooks: Allein im All und daher religiös
Mir bereitet die meisten Sorgen, ob es nun zutrifft oder nicht, dass der spontane Übergang von der nicht belebten zur belebten Materie höchst unwahrscheinlich sein könnte. Wir wissen, dass er einmal stattgefunden hat, doch was wäre, wenn wir in den nächsten Jahrzehnten viele Beweise dafür zusammenbekämen, dass er ausgesprochen selten vorkommt? (…) Im Sonnensystem allein zu sein, das wäre nicht so erschreckend, aber allein in der Galaxie – oder, schlimmer noch, allein im Universum –, das würde uns wohl zur Verzweiflung und wieder in die Arme der Religion als Trösterin treiben.

Rodney Brooks, 55, leitet das MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory. Er ist Autor des Buchs „Menschmaschinen. Wie uns die Zukunftstechnologien neu erschaffen“.

Paul W. Ewald: Gesundheit als Todesurteil für Ärzte
Meine gefährliche Idee ist, dass wir fast alle Informationen beisammenhaben, um ein neues goldenes Zeitalter der Medizin einzuleiten. (…) In diesem goldenen Zeitalter müsste es uns innerhalb relativ kurzer Zeit und mit viel weniger Geld als gemeinhin angenommen gelingen, den meisten schweren Krankheiten vorzubeugen. Das klingt doch gut. Warum sollte es gefährlich sein?

Eine Vielzahl von Gefahren erwächst daraus, dass den Status quo infrage stellende Ideen die Existenzgrundlage nicht ­weniger Menschen bedrohen. (…) Stellen wir uns vor, was geschähe, wenn man der großen Gebrechen – Krebs, Arteriosklerose, Schlaganfall, Diabetes und so fort – weitgehend durch Vorbeugung Herr ­würde.

Pharmariesen würden bei sinkender Nachfrage nach verschreibungspflichtigen Medikamenten schrumpfen. Das Ansehen der Ärzte würde nachlassen, weil man sie nicht mehr brauchte, um das Leben zu verlängern.

Paul W. Ewald, 55, ist Evolutionsbiologe und Leiter des Program in Evolutionary Medicine an der University of Louisville. Von ihm stammt das Buch „Plague Time“.

Martin Rees: Wissenschaft als Katastrophe
Meinungsumfragen (zumindest in Großbritannien) zeugen neben einer grundsätzlich positiven Einstellung gegenüber der Wissenschaft auch von der weit verbreiteten Sorge, dass sie „aus dem Ruder laufen“ könnte. Diese Idee ist gefährlich, weil sie als eine selbst erfüllende Prophezeiung wirken könnte. Im 21. Jahrhundert wird Technik die Welt schneller verändern als jemals zuvor: das Erdklima, unseren Lebensstil, sogar die menschliche Natur selbst. (…) Daher werden die Entscheidungen, die wir einzeln und kollektiv treffen, letzten Endes dazu beitragen, ob sich die wissenschaftlichen Ergebnisse des 21. Jahrhunderts segensreich oder verheerend auswirken.

Sir Martin Rees, 67, ist Präsident der Royal So­ciety, Professor für Astrophysik und Rektor des Trinity College in Cambridge. Eines seiner zahlreichen Bücher trägt den Titel „Unsere letzte Stunde. Warum die moderne Naturwissenschaft das Überleben der Menschheit bedroht“.

Samuel Barondes: Persönlichkeitsver-änderung auf Rezept
In den letzten Jahrzehnten haben sich gewisse Psychopharmaka zu einem weiteren Hilfsmittel für jene entwickelt, die ihr Leben verändern wollen. Ursprünglich als kurzfristige Medikation gegen episodische psychische Störungen wie schwere Depressionen gedacht, verschreibt man sie heute weithin auf Dauer, um gewisse Persönlichkeitsveränderungen herbeizuführen (…). Diese Medikamente wirken direkt auf Schaltkreise im Gehirn ein, die Emotionen steuern, und können so wünschenswerte Entwicklungen in Gang setzen, die durch bloße Willenskraft oder Verhaltensübungen kaum zu erreichen wären. Millionen nehmen sie Jahr für Jahr regelmäßig ein, um ihre Persönlichkeit umzumodeln.

Gleichwohl ist die Idee, solche Medikamente für die Persönlichkeitsveränderung zu benutzen, nach wie vor gefährlich – und nicht nur deshalb, weil es an sich erbärmlich, unmoralisch oder sozial bedrohlich wäre, die Gehirnchemie zu manipulieren (…). Der Grund zur Vorsicht liegt eher darin, dass es noch keine kontrollierten Studien darüber gibt, wie sich solche Substanzen bei Dauergebrauch auf die Persönlichkeit auswirken.

Samuel Barondes, 76, ist Direktor des Center for Neurobiology and Psychiatry an der University of California in San Francisco. Von ihm stammt unter anderem das Buch: „Better Than Prozac. Creating the Next ­Generation of Psychiatric Drugs“.

John Horgan: Der Mensch hat keine Seele
Ich möchte hier näher auf die gefährliche (und wahrscheinlich wahre) Idee eingehen, dass der Mensch keine Seele hat. (…) Bis vor Kurzem bot es sich an, diese Mutmaßung mit einem großen Fragezeichen zu versehen, da es der Hirnforschung noch nicht gelungen war, die Kognition auf spezifische neurale Vorgänge zurückzuführen. (…) Doch jüngst haben sich die Lücken geschlossen, als Neurowissenschafter (…) begannen, den so genannten neuralen Code zu entschlüsseln, das heißt jene Programme, die elektrochemische Impulse im Gehirn in Wahrnehmungen, Erinnerungen, Entscheidungen, Emotionen und andere Grundbausteine des Bewusstseins umwandeln. (…) Wird dieses Wissen uns einmal befreien oder versklaven? Beamte des Pentagons, das weltweit das meiste Geld für die Erforschung des neuralen Codes ausgibt, haben bereits offen erwogen, Cyborg-Krieger zu planen, die über Gehirnimplantate fernsteuerbar wären (…) Wenn sich unser Geist programmieren ließe wie ein Computer, dann würden wir vielleicht schließlich den Glauben an eine un­sterbliche, unantastbare Seele aufgeben – es sei denn, wir würden uns darauf programmieren.

John Horgan, 56, leitet das Center for Science Writings am Stevens Institute of Technology. Sein jüngstes Buch heißt „Rational Mysticism: Spirituality Meets Science in the Search for Enlightenment“.

Peter C. Aichelburg: Zeitreise in die Kälte
Ein Wurmloch ist eine Art Tunnel zu entfernten Gebieten im Universum. Solche Objekte können sich auch als Zeitmaschinen entpuppen, das heißt, das Wurmloch verbindet nicht nur entfernte Gebiete, sondern auch unterschiedliche Zeiten. Ein Objekt, welches dort hineingerät, kommt irgendwo in der Weite des Kosmos wieder heraus, eventuell zu einer früheren Zeit. Sollte die Erde tatsächlich in so ein Wurmloch fallen, würden wir uns auf einmal in einer völlig neuen Umgebung im Universum befinden, da wäre es gut, wenn unsere Sonne gleich mitkäme. Was die Zeitreise betrifft, sollten wir keinesfalls in eine Zeit reisen, zu der es noch keine Sterne gab und das Universum dicht und heiß war, denn das wäre sehr ungemütlich.

Peter C. Aichelburg, 68, emeritierter Physikprofessor und Kuratoriumsvorsitzender des Europäischen Forums Alpbach, forschte an etlichen internationalen Spitzeninstituten. Schwerpunkt: Gravitation und Kosmologie.

Ray Kurzweil: Das Leben wird unendlich
Die Kapazitäten der Informationstechniken verdoppeln sich jährlich und beziehen überdies Bereiche ein, die über das Computerwesen hinausgehen – zum Beispiel die Biologie oder die menschliche Intelligenz. (…) Wir finden auch Mittel, um die ursprünglichen, grundlegenden Informationsprozesse der Biologie umzuprogrammieren (…) Wenn wir linear denken, scheint die Vorstellung, alle Krankheiten und Alterungsprozesse auszuschalten, in der fernen Zukunft zu liegen, wie es auch 1990 beim Genomprojekt der Fall war. Wenn wir dagegen die alljährliche Verdoppelung einrechnen, so liegt die Aussicht einer radikalen Ausdehnung des Lebens nur noch einige Jahrzehnte vor uns.

Ray Kurzweil, 61, ist Erfinder und Technologe. Sein jüngstes Buch heißt „The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology“.

Mihaly Csikszentmihalyi: Der freie Markt vernichtet alles
Eine der gefährlichsten Ideen überhaupt in unserer heutigen Kultur ist die, dass letzten Endes der „freie Markt“ über alle politischen Entscheidungen gebietet und dass es eine „unsichtbare Hand“ gibt, die uns in die vorteilhafteste Zukunft lenkt, sofern man stets den freien Markt zur Geltung kommen lässt. Dieser mystische Glaube ruht zwar auf durchaus soliden empirischen Fundamenten, wenn man ihn jedoch als die endgültige Lösung aller Probleme der Menschheit auffasst, so droht er sowohl die materiellen Ressourcen als auch die kulturellen Leistungen zu vernichten, die unsere Spezies unter großen Mühen geschaffen hat.

Mihaly Csikszentmihalyi, 75, Psychologe, leitet das Quality of Life Research Center an der Claremont Graduate University. Von ihm stammt das Buch „Flow – der Weg zum Glück“.

Josef Smolen: Unwirksame Medikamente
Gegen die rheumatoide Arthritis, eine chronische Gelenksentzündung, die etwa einen von 100 Erwachsenen betrifft und Schmerz, Gelenkszerstörung, Frühinvalidität und verfrühte Mortalität verursacht, sind im letzten Jahrzehnt neue Medikamente entwickelt worden, die so genannten Biologika. Durch sie werden krankheitsauslösende Moleküle oder Zellen zielgerichtet blockiert oder zerstört. Trotz vieler Unterschiede zwischen Biologika ist die Ansprechrate nahezu gleich. Wir wissen nicht, warum.
Derzeit gibt es keine Möglichkeit, den Behandlungseffekt beim Einzelnen vorherzusagen, also individualisierte Therapien zu entwickeln. Dies wäre nur durch Definition prognostischer Faktoren im Rahmen einer exakt vergleichenden, hierarchischen Studie unter Einsatz biologischer Marker möglich. Der Vorteil eines positiven Ergebnisses: „maßgeschneiderte“ Therapien – zum Vorteil der Betroffenen, aber auch des Gesundheitssystems, weil Medikamente bei jenen, denen sie nicht helfen, nicht nutzlos eingesetzt werden müssten. Der Ansatz birgt aber auch eine große Gefahr, die Angst und auch Hilflosigkeit auslöst: Wie geht man mit jenen um, bei denen vorhergesagt wird, dass sie auf keine Therapie ansprechen würden?

Josef Smolen, 59, Internist und Immunologe, ist Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin III an der Medizinischen Universität Wien (MUW) mit Forschungsschwerpunkt entzündliche rheumatische Erkrankungen. Im Vorjahr war er bestpublizierender Professor der MUW.

Georg Wick: Gefährliche Impfgegner
Die Menschheit hat im 20. und 21. Jahrhundert so viele Jahre an mittlerer Lebenserwartung gewonnen wie in den letzten 10.000 Jahren davor. Impfungen haben zu dieser Tatsache wesentlich beigetragen. Impfgegner ziehen mit zumeist irrationalen Argumenten gegen die segensreiche Wirkung dieser immunologischen Erfolgsstory zu Felde. Eine „gefährliche“ Entdeckung unseres Labors könnte bei falscher Interpretation als Beweis für diese schädlichen Aktivitäten herangezogen werden.

Zellen aller Lebewesen – von Bakterien bis zum Menschen – produzieren bei Konfrontation mit Stressfaktoren so genannte Stresseiweißstoffe. Erstmals nach Anwendung von Hitze beobachtet, werden diese Eiweißstoffe auch als Hitzeschockproteine (HSPs) bezeichnet. Die stammesgeschichtlich sehr alten HSPs zeigen in allen Zellen große biochemische Ähnlichkeit. Aufgrund von durchgemachten Infektionen bzw. Impfungen besitzen alle Menschen Immunität gegen mikrobielle HSPs. Wenn wir unser Gefäßsystem klassischen Arteriosklerose-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Rauchen etc. aussetzen, produzieren die Zellen in der Innenauskleidung der Arterien HSPs. Aufgrund der Ähnlichkeit menschlicher und bakterieller HSPs müssen wir dann für die schon vorhandene schützende Immunität gegen bakterielle HSPs mit einer immunologischen „Verwechslungsreaktion“ gegen unsere eigenen Gefäße „bezahlen“: eine so genannte Autoimmunreaktion. Daran ist aber eben nicht das Immunsystem „schuld“, sondern unsere unnatürliche, die Gefäßzellen schädigende Lebensweise. Wir versuchen nun im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts auf Basis dieser Entdeckung einen Impfstoff gegen Arteriosklerose zu entwickeln, gegen die Impfgegner mobilmachen und ein segensreiches Projekt gefährden könnten – eine gefährliche Idee.

Georg Wick, 70, Pathologe und Alternsforscher, war bis 2003 Vorstand des Instituts für Pathophysiologie der Universität Innsbruck und von 2003 bis 2005 Präsident des Wissenschaftsfonds FWF.

Clifford Pickover: Zu viele Welten – oder zu wenige
Unser Wunsch, unterhaltsame virtuelle Realitäten zu erleben, nimmt rapide zu. Da auch unser Verständnis des menschlichen Gehirns rasch wächst, werden wir zum einen fantasierte Realitäten schaffen und zum anderen Erinnerungen, um diese Scheinbilder zu unterstützen. So wird es zum Beispiel eines Tages möglich sein, eine Reise ins Mittelalter zu simulieren, und – um das Ganze realistisch zu gestalten – dafür zu sorgen, dass man sich wirklich im Mittelalter fühlt. Man könnte falsche Erinnerungen implantieren und sie zeitweise die realen überdecken lassen. Das sollte leicht möglich sein, zumal wir den Geist mit der Droge Dimethyltryptamin (DMT) bereits dazu bringen können, reich ausstaffierte virtuelle Welten zu erzeugen, voll mit prachtvollen Schlössern und fremdartigen Fabelwesen. (…)

In Zukunft wird jeder zehn simulierte Leben haben können. (…) Wenn sich dieses Verhältnis von einem realen Leben zu zehn simulierten als repräsentativ für die menschliche Erfahrung erweisen sollte, so bedeutet dies, dass wir derzeit nur eine von zehn Chancen nutzen, wirklich in der Gegenwart zu leben.

Clifford Pickover ist Informatiker am IBM
T. J. Watson Research Center. Das jüngste seiner zahlreichen Bücher trägt den Titel: „Sex, Drugs, Einstein, and Elves: Sushi, Psychedelics, Parallel Universes, and the Quest for Transcendence“.

Lawrence M. Krauss: Wissenschaft, die kein Wissen schafft
Oft wird das höchste Ziel der Physik als eine „Theorie von allem“ beschrieben, die es erlauben würde, sämtliche grundlegenden Naturgesetze auf ein T-Shirt zu drucken (auch wenn es ein solches T-Shirt nur in zehn Dimensionen geben könnte). Seit jedoch anerkannt ist, dass die Hauptenergie des Universums im leeren Raum sitzt – etwas so Eigentümliches, dass es im Rahmen unserer heutigen theoretischen Vorstellungen kaum nachvollziehbar erscheint –, eruieren immer mehr Physiker die Idee, ob die Physik nicht eine „Umweltwissenschaft“ sein könnte, ob die von uns beobachteten Naturgesetze lediglich kontextabhängig gelten und es endlos viele verschiedene Universen mit ganz unterschiedlichen Naturgesetzen geben könnte.

Lawrence M. Krauss, 55, ist Direktor des Center for Education and Research in Cosmology and Astrophysics an der Case Western Reserve University. Sein jüngstes Buch trägt den Titel „Hiding in the Mirror. The Mysterious Allure of Extra Dimensions, from Plato to String Theory and Beyond“.

Michael Freissmuth: Giftmorde
Die eingehende Beschäftigung mit Pharmaka (gut = Arznei; schlecht = Gift) lässt unendlich viele Möglichkeiten erkennen, Menschen zu vergiften. Da blühen Allmachtsfantasien auf: Gegenwehr bei einem Terrorüberfall im Flugzeug – eine Kugelschreiberhülle als Blasrohr mit kleinen Curare-getränkten Nadeln; Kundenbindung bei Getränken und Nahrungsmitteln – durch Manipulation des Belohnungszen­trums mit einem (noch nicht gesetzlich erfassten) Suchtgift; der perfekte Mord – ein Gift, das keine Spuren hinterlässt, weil es eine körpereigene Substanz ist. Die Überprüfung der Realität zeigt: Das ist alles schon da (gewesen) – ohne pharmakologische Beratung. Die rasche Injektion von Kaliumchlorid ist z. B. schon in einem Wiener Krankenhaus praktiziert worden. Als Geschäftsidee ausbaufähig ist ein Service, das DNA-Spuren Unbeteiligter anbietet, um irreführende Spuren zu hinterlassen, z. B. in Lippenstift eingearbeitet. Man kann diese dann strategisch auf Bekennerschreiben platzieren, das Gift in eine Praline stecken und dem Opfer das Gift tatsächlich im Kaffee beibringen. Kaffee eignet sich aus vielen Gründen gut (deckende Farbe, starker Eigengeschmack, …). Daher ein Rat an alle, die einen Giftmord fürchten: kein Kaffee, Rotwein, Whisky, Cognac … Sonstige Tipps: gerne – nach entsprechendem Sponsoring der Forschung am Pharmakologischen Institut der Medizinischen Universität Wien.

Michael Freissmuth, 49, Mediziner (promovierte sub auspiciis praesidentis), mehrfach ausgezeichneter Pharmakologe. Forschungsschwerpunkt: Signalverarbeitung in Nerven- und Krebszellen und deren ­Beeinflussung durch Pharmaka.

Jordan Pollack: Wissenschaft als Religion
Wir Wissenschafter denken gerne, dass wir etwas Besonderes wüssten. Statt Überzeugungen zu pflegen, die auf dem Glauben an unsichtbare allmächtige Götter oder auf überlieferten, von mündlichen Kulturen transkribierten Pergamenten beruhen, besitzen wir die wissenschaftliche Methode, um zu entdecken und zu erkennen. (…) Insofern ist es eine sehr gefährliche Idee, die Wissenschaft lediglich als eine andere Form von Religion zu betrachten. (…) Jüngst betonte bei einem öffentlichen Kongress über Grundprobleme der modernen Technik ein Redner nach dem anderen die Gefahren der Erderwärmung: Anstieg des Meeresspiegels um knapp zwanzig Zentimeter, Überschwemmung von Städten, mehr Orkane der Kategorie 5 und so fort. Es war fast eine Umkehrung der positivistischen Verheißungen einer Techno-Utopie mit wunderbaren Fortschritten in der Medizin, im Computerwesen und im Waffenbau, die eine große Blütezeit der Wissenschaft im späten 20. Jahrhundert erlauben würden. Eine Freundin wies mich darauf hin, dass diese Referenten vor der Einführung von PowerPoint vielleicht Pappschilder mit der Aufschrift „Das Ende ist nahe!“ getragen hätten.

Jordan Pollack, 51, leitet an der Brandeis University ein Forschungslabor für die dynamische und evolutionäre Organisation von Maschinen.

Haim Harari: Demokratie mit Ablaufdatum
Die Demokratie könnte vor ihrem Abgang stehen. Künftige Historiker mögen feststellen, dass sie bloß eine Jahrhundert­episode war: Sie wird verschwinden. Dies ist eine traurige, wahrhaft gefährliche, jedoch sehr realistische Idee (oder besser Prognose). Fallende Staatsgrenzen, grenzüberschreitender Handelsverkehr, miteinander verschmelzende Wirtschaftssysteme, sofortiger weltweiter Informationsfluss und zahlreiche andere Merkmale unserer modernen Gesellschaft tragen allesamt zu multinationalen Strukturen bei. Wenn man diesen unumkehrbaren Trend extrapoliert, so zeichnet sich der ganze Planet als eine politische Einheit ab, in der allerdings die antidemokratischen Kräfte eine klare Mehrheit bilden. Diese wächst heute bereits stetig, bedingt durch demografische Faktoren. Während sämtliche demokratischen Nationen ein schwaches, rückläufiges oder negatives Bevölkerungswachstum aufweisen, vermehren sich die antidemokratischen und ungebildeten rapide. Zudem bleiben in den Ersteren die meisten gebildeten Familien klein, wohingegen die am wenigsten gebildeten sehr kinderreich sind. (…)

Haim Harari, 68, theoretischer Physiker, war Präsident des israelischen Weizmann Institute of Science, leitet das Gründungskomitee für das Exzellenzinstitut I.S.T. Austria in Maria Gugging/Klosterneuburg.

The New york Times [10.5.09]

One of the oldest names in computing is joining the race to sequence the genome for $1,000. On Tuesday, I.B.M. plans to give technical details of its effort to reach and surpass that goal, ultimately bringing the cost to as low as $100, making a personal genome cheaper than a ticket to a Broadway play.

The project places I.B.M. squarely in the middle of an international race to drive down the cost of gene sequencing to help move toward an era of personalized medicine. The hope is that tailored genomic medicine would offer significant improvements in diagnosis and treatment.

I.B.M. already has a wide range of scientific and commercial efforts in fields like manufacturing supercomputers designed specifically for modeling biological processes. The company’s researchers and executives hope to use its expertise in semiconductor manufacturing, computing and material science to design an integrated sequencing machine that will offer advances both in accuracy and speed, and will lower the cost.

“More and more of biology is becoming an information science, which is very much a business for I.B.M.,” said Ajay Royyuru, senior manager for I.B.M.’s computational biology center at its Thomas J. Watson Laboratory in Yorktown Heights, N.Y.

DNA sequencing began at academic research centers in the 1970s, and the original Human Genome Project successfully sequenced the first genome in 2001 and cost roughly $1 billion.

Since then, the field has accelerated. In the last four to five years, the cost of sequencing has been falling at a rate of tenfold annually, according to George M. Church, a Harvard geneticist. In a recent presentation in Los Angeles, Dr. Church said he expected the industry to stay on that curve, or some fraction of that improvement rate, for the foreseeable future.

At least 17 startup and existing companies are in the sequencing race, pursuing a range of third-generation technologies. Sequencing the human genome now costs $5,000 to $50,000, although Dr. Church emphasized that none of the efforts so far had been completely successful and no research group had yet sequenced the entire genome of a single individual.

The I.B.M. approach is based on what the company describes as a “DNA transistor,” which it hopes will be capable of reading individual nucleotides in a single strand of DNA as it is pulled through an atomic-size hole known as a nanopore. A complete system would consist of two fluid reservoirs separated by a silicon membrane containing an array of up to a million nanopores, making it possible to sequence vast quantities of DNA at once.

The company said the goal of the research was to build a machine that would have the capacity to sequence an individual genome of up to three billion bases, or nucleotides, “in several hours.” A system with this power and speed is essential if progress is to be made toward personalized medicine, I.B.M. researchers said.

At the heart of the I.B.M. system is a novel mechanism, something like nanoscale electric tweezers. This mechanism repeatedly pauses a strand of DNA, which is naturally negatively charged, as an electric field pulls the strand through a nanopore, an opening just three nanometers in diameter. A nanometer, one one-billionth of a meter, is approximately one eighty-thousandth the width of a human hair.

The I.B.M. researchers said they had successfully used a transmission electron microscope to drill a hole through a semiconductor device that was intended to “ratchet” the DNA strand through the opening and then stop for perhaps a millisecond to determine the order of four nucleotide bases — adenine, guanine, cytosine or thymine — that make up the DNA molecule. The I.B.M. team said that the project, which began in 2007, could now reliably pull DNA strands through nanopore holes but that sensing technology to control the rate of movement and to read the specific bases had yet to be demonstrated.

Despite the optimism of the I.B.M. researchers, an independent scientist noted that various approaches to nanopore-based sequencing had been tried for years, with only limited success.

“DNA strands seem to have a mind of their own,” said Elaine R. Mardis, co-director of the genome center at Washington University in St. Louis, noting that DNA often takes a number of formations other than a straight rod as it passes through a nanopore.

Dr. Mardis also said previous efforts to create uniform silicon-based nanopore sensors had been disappointing.

One of the crucial advances needed to improve the quality of DNA analysis is to be able to read longer sequences. Current technology is generally in the range of 30 to 800 nucleotides, while the goal is to be able to read sequences of as long as one million bases, according to Dr. Church, who spoke in July at a forum sponsored by Edge.org, a nonprofit online science forum.

Other approaches to faster, cheaper sequencing include a biological nanopore approach being pursued by Oxford Nanopore Technologies, a start-up based in England, and an electron microscopy-based system being designed by Halcyon Molecular, a low-profile Silicon Valley start-up that has developed a technique for stretching single strands of DNA laid out on a thin carbon film. The company may be able to image strands as long as one million base pairs, said Dr. Church, who is an adviser to the company, and to several others.

“To bring about an era of personalized medicine, it isn’t enough to know the DNA of an average person,” said Gustavo Stolovitzky, an I.B.M. biophysicist, who is one of the researchers who conceived of the I.B.M. project. “As a community, it became clear we need to make efforts to sequence in a way that is fast and cheap.”

NEWSWEEK [9.6.09]

Language may shape our thoughts.

When the Viaduct de Millau opened in the south of France in 2004, this tallest bridge in the world won worldwide accolades. German newspapers described how it "floated above the clouds" with "elegance and lightness" and "breathtaking" beauty. In France, papers praised the "immense" "concrete giant." Was it mere coincidence that the Germans saw beauty where the French saw heft and power? Lera Boroditsky thinks not.

A psychologist at Stanford University, she has long been intrigued by an age-old question whose modern form dates to 1956, when linguist Benjamin Lee Whorf asked whether the language we speak shapes the way we think and see the world. If so, then language is not merely a means of expressing thought, but a constraint on it, too. Although philosophers, anthropologists, and others have weighed in, with most concluding that language does not shape thought in any significant way, the field has been notable for a distressing lack of empiricism—as in testable hypotheses and actual data.

That's where Boroditsky comes in. In a series of clever experiments guided by pointed questions, she is amassing evidence that, yes, language shapes thought. The effect is powerful enough, she says, that "the private mental lives of speakers of different languages may differ dramatically," not only when they are thinking in order to speak, "but in all manner of cognitive tasks," including basic sensory perception. "Even a small fluke of grammar"—the gender of nouns—"can have an effect on how people think about things in the world," she says.

As in that bridge. In German, the noun for bridge, Brücke, is feminine. In French, pontis masculine. German speakers saw prototypically female features; French speakers, masculine ones. Similarly, Germans describe keys (Schlüssel) with words such as hard, heavy, jagged, and metal, while to Spaniards keys (llaves) are golden, intricate, little, and lovely. Guess which language construes key as masculine and which as feminine? Grammatical gender also shapes how we construe abstractions. In 85 percent of artistic depictions of death and victory, for instance, the idea is represented by a man if the noun is masculine and a woman if it is feminine, says Boroditsky. Germans tend to paint death as male, and Russians tend to paint it as female.

Language even shapes what we see. People have a better memory for colors if different shades have distinct names—not English's light blue and dark blue, for instance, but Russian'sgoluboy and sinly. Skeptics of the language-shapes-thought claim have argued that that's a trivial finding, showing only that people remember what they saw in both a visual form and a verbal one, but not proving that they actually see the hues differently. In an ingenious experiment, however, Boroditsky and colleagues showed volunteers three color swatches and asked them which of the bottom two was the same as the top one. Native Russian speakers were faster than English speakers when the colors had distinct names, suggesting that having a name for something allows you to perceive it more sharply. Similarly, Korean uses one word for "in" when one object is in another snugly (a letter in an envelope), and a different one when an object is in something loosely (an apple in a bowl). Sure enough, Korean adults are better than English speakers at distinguishing tight fit from loose fit.

THE NEW YORKER [8.23.09]

ABSTRACT: LETTER FROM CALIFORNIA about Elon Musk and electronic cars. In a dressing room above the “Late Show with David Letterman” stage, the electronic-car magnate Elon Musk sat on a sofa, eating cookies. Musk, thirty-eight, is the chairman, C.E.O., and product architect of Tesla Motors, and he was appearing on Letterman to show off the company’s newest design: a sleek sedan called the Model S. After co-founding the Internet start-ups Zip2 and PayPal, when he was in his twenties, in 2002 Musk launched the Space Exploration Technologies Corporation (SpaceX), with the ultimate goal of colonizing Mars; the company recently won a $1.6-billion contract with NASA to resupply the Space Station. In 2004 he provided Tesla with its initial funding, in the belief that electronic vehicles, or E.V.s, together with solar power, will help wean the world off oil. For decades, E.V.s resembled hovercraft or mobile eggs, and their lead-acid battery packs were costly and sickly. Last fall, Tesla began making the only highway-capable E.V. now available: the Roadster, a $109,000 sports car that goes from zero to sixty in less than four seconds and has a range of two hundred and forty-four miles. Powered by a lithium-ion battery, the Roadster was designed to prove that E.V.s can not just compete but excel. Musk plans to cut the price for each of Tesla’s succeeding models more or less in half and seize the market from the top down. The Roadster can be found in the garages of George Clooney, Matt Damon, Leonardo DiCaprio, and David Letterman. Musk was born in Pretoria, South Africa, and he attended Queen’s University in Ontario and the University of Pennsylvania. In 2004, Musk met engineer Martin Eberhard, who proposed to build a sports car with a lithium-ion battery. Musk agreed to underwrite the company. It took four and a half years and $140 million. As new car sales in America are expected to fall to ten million this year, the big automakers are developing E.V.s of their own. Mentions Ford, Chrysler, Renault, Nissan, and Mitsubishi. Describes Musk’s appearance on Letterman’s show. In late March, Tesla unveiled the Model S at a cocktail party at SpaceX’s headquarters, south of L.A. Mentions Anthony Kiedis, Rick Rubin, and Gov. Arnold Schwarzenegger. For now, if you plug your Roadster into one of Tesla’s seventy-ampere wall boxes (which the company will install in your garage for $3,000), it takes nearly four hours to recharge the car completely. Mark Duvall, of the Electric Power Research Institute, says, of the cost of building charging stations across the country, “If you want to use E.V.s to drive between cities, we’re probably into the hundreds of billions.” Shai Agassi, an Israeli software whiz who runs the company Better Place, plans to build a huge charging network. In early April, Tesla threw a cocktail party at the National Building Museum, in Washington, D.C., to show off the Model S to congressmen and other government officials. Mentions Diarmuid O’Connell, Sen. Maria Cantwell, Sen. Jeff Bingaman, and Mike Carr. Sen. Cantwell acknowledged that there’s no political will in Congress to prod consumers to switch to electric by taxing gasoline heavily, as is done in Europe.

 

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http://search.barnesandnoble.com/Whats-Next/Max-Brockman/e/9780307389312/ [8.18.09]

Nearly impossible to put down: engaging original essays from brilliant young scientists on their work — and its fascinating social, ethical, and philosophical implications.

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG [8.14.09]

Neue Evolutionschance für den Neanderthaler?Neue Evolutionschance für den Neanderthaler?

17. August 2009 

Der New Yorker Literaturagent John Brockman und seine Edge Foundation hatten kürzlich zu einer außergewöhnlichen Zukunftskonferenz nach Los Angeles geladen. Zwei prominente Wissenschaftler, George Church, Molekulargenetiker in Harvard, und Craig Venter, Pionier bei der Entschlüsselung des Humangenoms, sprachen über die synthetische Genomik. Zu der Tagung, zu der nur ein ausgewählter Kreis eingeladen worden war, erschienen rund zwanzig Vertreter der Technologieelite Amerikas, darunter Larry Page, Mitbegründer von Google, Nathan Myhrvold, vormals Chief Technology Officer von Microsoft, und Elon Musk, Gründer von PayPal und Direktor von SpaceX, einem privaten Raketenbau- und Raumforschungsunternehmen, das in einem riesigen Gebäude unweit des Flughafens von Los Angeles untergebracht ist.

Der erste Tag des Treffens fand auf dem Areal von SpaceX statt, wo übrigens auch das Elektroauto Tesla produziert wird. Die synthetische Genomik, Thema der Konferenz, ist im Grunde Gentechnik in großem Stil. Sie beschäftigt sich mit der teilweisen oder vollständigen Ersetzung des natürlichen Genmaterials eines Organismus durch synthetisches Genmaterial.

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Das Schreckgespenst der „Biohacker“

Von ihr erwartet man eine Vielzahl von biotechnischen Umbrüchen - beispielsweise Bakterien, die so programmiert werden, dass sie Kohle in Biogas umwandeln, oder Mikroben, die Kerosin produzieren. Mit wieder anderen Verfahren wollen Wissenschaftler ausgestorbene Lebewesen wieder zum Leben erwecken, etwa das Wollhaarmammut, vielleicht sogar den Neandertaler.

Natürlich kam auch das Schreckgespenst der „Biohacker“ zur Sprache, die neue Krankheitserreger produzieren. Aber Genomforscher sind ja fast zwangsläufig Optimisten. George Church, der über sein Spezialgebiet „Humangenetik 2.0“ sprach, erklärte seinen Zuhörern, wie sich das Genmaterial - die DNS - programmieren lässt. So wie Sequenzierungsautomaten die natürliche Ordnung eines DNS-Moleküls entziffern können, so können Automaten Komponenten einer gezielt manipulierten DNS schaffen, die, in eine Zelle eingebaut, deren normales Verhalten verändern. Bösartige Tumoren ziehen beispielsweise viele Bakterienzellen an. Durch präzise Manipulation des Bakteriengenoms kann man krebsbekämpfende Mikroben schaffen, also Organismen, die den Tumor angreifen, indem sie in die Geschwulst eindringen und dort synthetisch erzeugte Toxine freisetzen.

„Personalisierte“ Mäuse

Church und sein Harvard-Team haben inzwischen Bakterien programmiert, die jede dieser Funktionen separat ausüben, aber es ist ihnen noch nicht gelungen, sie zu einem komplett organisierten System zusammenzubauen. Trotzdem: „Wir sind nicht mehr weit von dem Punkt entfernt, wo wir diese Zellen quasi wie Computer programmieren können“, sagte Church.

Tumorkiller-Mikroben sind aber nur eine der vielen wundersamen Entwicklungen in Churchs Laboren. Ein anderes Projekt ist die Aussicht auf „personalisierte“ Mäuse. Es handelt sich um Säugetiere, denen Ausschnitte menschlicher DNS injiziert werden, damit sie Antikörper bilden, die vom jeweiligen Menschen nicht abgestoßen werden. Eine personalisierte, mit individuellem Genmaterial gespickte Maus würde dann Antikörper produzieren, die der entsprechende kranke Mensch nicht mehr abstoßen würde.

Resistent gegenüber konventionellen Enzymen, Parasiten und Erreger

Und was wäre wohl von synthetischen Organismen zu halten, die gegenüber einer ganzen Klasse natürlicher Viren resistent wären? Zwei Verfahren gibt es. Eines besteht darin, eine DNS zu konstruieren, die das Spiegelbild einer natürlichen DNS ist. Wie viele biologische und chemische Substanzen zeichnet sich die DNS durch Chiralität (Händigkeit) aus, das heißt, sie existiert in links- oder rechtshändiger Helixstruktur. In natürlichem Zustand sind die meisten biologischen Moleküle linkshändig. Durch künstliche Schaffung rechtshändiger DNS könnte man aber synthetische Organismen erzeugen, deren DNS das Spiegelbild des Originals ist. Diese wären resistent gegenüber konventionellen Enzymen, Parasiten und Erregern, weil ihre DNS von der Spiegelbildversion nicht erkannt würde. Solche synthetischen Organismen wären Teil einer ganz neuen „Spiegelwelt“.

Church ist außerdem Gründer und Direktor des „Personal Genome Project“. Dessen Ziel ist es, die Genome von hunderttausend Freiwilligen zu sequenzieren und ein Zeitalter der personalisierten Medizin einzuläuten. Anders als die lange übliche Standardkombination aus Pillen und Therapien wird die Medizin künftig passgenau wie ein Maßanzug auf das Individuum zugeschnitten.

„Leben auf anderen Planeten etablieren“

Gegen Ende des ersten Tages stellte Elon Musk, Charismatiker sondergleichen, eine Genomveränderung anderer Art vor. Während im Hintergrund ein Video vom Start seiner „Falcon 1“-Rakete auf dem südpazifischen Kwajalein-Atoll lief, sprach er über die Verpflanzung der Spezies Mensch auf andere Planeten. Dieses Ziel hätte man als unrealistisch abtun können, wäre nicht am 13. Juli, kurz vor der Konferenz, eine „Falcon 1“ gestartet, die den malaysischen Satelliten RazakSat auf eine Erdumlaufbahn brachte. Schon zuvor hatte SpaceX einen Auftrag der Nasa für Versorgungstransporte zur Internationalen Raumstation erhalten.

Wie ein Herrscher seine Untertanen führte Musk dann die Konferenzteilnehmer durch die Fertigungsanlagen seines Raumfahrtunternehmens. Wir sahen den Bereich, in dem das Triebwerk gebaut wird, wir sahen Komponenten der Trägerrakete, das Kontrollzentrum und ein Exemplar des „Dragon“-Raumschiffs, einer Kapsel für den Transport von Fracht oder Menschen zur Raumstation. „All das dient dem Ziel, Leben auf anderen Planeten zu etablieren“, sagte Musk.

Organismen auf ein Minimum an Genen reduzieren

Am zweiten Tag trat J. Craig Venter auf, Pionier des privaten Humangenomprojekts und Gründer von Synthetic Genomics Inc. Das ist eine Organisation, die sich der Vermarktung von Gentechniken verschrieben hat. Eine der Herausforderungen der synthetischen Genomik ist es, Organismen auf ein Minimum an Genen zu reduzieren, die zum Leben notwendig sind. „Reduktionistische Biologie“ nennt Venter das. Die Grundfrage sei, ob sich durch Kombination der geringsten Zahl an lebenswichtigen Genkomponenten neues Leben kreieren lasse.

Venter nutzt Bierhefe, die imstande ist, DNS-Fragmente zu funktionalen Chromosomen zusammenzubauen. Er schilderte ein Experiment, bei dem fünfundzwanzig synthetische DNS-Komponenten erzeugt und in eine Hefezelle eingebracht wurden, die von dieser zu einem Chromosom zusammengefügt wurden. Dabei kam es darauf an, die DNS-Teilchen so zu konstruieren, dass der Organismus sie korrekt zusammensetzen konnte. Venter stellte fest, dass Gene sich in Hefe leicht manipulieren ließen. Er konnte Gene einbringen, entfernen und eine Hefe mit neuen Eigenschaften erzeugen. Im August 2007 veränderte er die Individuen einer Spezies radikal: Er entnahm den Zellen je ein Chromosom, verpflanzte diese und schuf etwas völlig Neues. „Durch Veränderung der Software wurde der alte Organismus völlig eliminiert und ein neuer geschaffen“, so Venter.

„Die Software baut sich ihre eigene Hardware“

Venter und sein Forschungsteam schufen auch eine synthetische DNS-Kopie des PhiX-Bakteriophagen, eines kleinen, für Menschen ungefährlichen Bakterienparasiten. Eingesetzt in ein Kolibakterium, produzierte die Zelle die erforderlichen Proteine und setzte sie zu einem neuen Bakterienvirus zusammen, das seinerseits die Zelle vernichtete, aus der es hervorgegangen war. Und all das, so Venter, sei automatisch in der Zelle passiert: „Die Software baut sich ihre eigene Hardware.“

Diese und andere genomische Kreationen, Transformationen und Zerstörungen führten zu Fragen, wie sicher wir vor dem Albtraum gentechnisch produzierter Bakterien sind, die aus dem Labor entweichen und Unheil in die Welt bringen. Um das zu verhindern, könne man, so Venter, den Organismus mit „Suizidgenen“ versehen - das heißt ihn mit einer chemischen Abhängigkeit ausstatten, so dass er außerhalb des Labors nicht überlebensfähig ist. Außerhalb des Labors würden diese künstlichen Zellen absterben.

„Es ist nicht schwer, Algen dazu zu bringen, Öl zu produzieren“

Wenn dem so ist, wäre das eine gute Nachricht, denn Venter und sein Team sind gegenwärtig dabei, mit Forschungsgeldern von Exxon-Mobil eine fünf bis sieben Quadratkilometer große Algenfarm einzurichten, in der umprogrammierte Algen Biokraftstoff produzieren werden. „Es ist nicht schwer, Algen dazu zu bringen, Öl zu produzieren“, sagte Venter. „Die Menge ist das Problem.“ Um als praktikable Energielieferanten dienen zu können, müssen Algenfarmen groß sein, und das macht sie teuer. Algen haben jedoch den Vorteil, dass sie Kohlendioxid verbrauchen und Sonnenlicht als Energiequelle verwenden. Potentiell haben wir also lebende Solarzellen, die Kohlendioxid fressen und dabei neue Kohlenwasserstoffe - den Treibstoff - produzieren.

Das letzte Wort hatte Church mit seinem Projekt „Engineering Humans 2.0“. Der Mensch, meinte er, sei in vielerlei Hinsicht beschränkt: in seiner Konzentrations- und Erinnerungsfähigkeit, durch die Kürze des Lebens und so weiter. Mit Hilfe der Gentechnik könnten all diese Unzulänglichkeiten und Einschränkungen korrigiert werden. Die gemeine Labormaus habe eine Lebensdauer von zweieinhalb Jahren, der Nacktmull dagegen erreicht das hohe Alter von fünfundzwanzig Jahren. Es sei möglich, diejenigen Gene zu finden, die zur Langlebigkeit des Nacktmulls beitragen, und wenn man diese Gene in die Labormaus einsetze, könne man deren Lebensdauer allmählich steigern.

„Warum sollte man Neandertaler wiederbeleben wollen?“

Analog könne man bei Menschen verfahren, also die Lebensdauer verlängern und das Gedächtnis verbessern, aber es frage sich, ob das klug wäre. Es gebe immer Nachteile, sagte Church. Man kann es einrichten, dass die Menschen größere und kräftigere Knochen haben, aber nur um den Preis, dass sie massiger und plumper werden. Auf einer Konferenz, in der über grenzenlose Machbarkeit gesprochen wurde, waren diese Worte eine willkommene Mahnung.

Doch dann erklärte er, dass es vermutlich möglich sei, durch gezielte Manipulation des Elefantengenoms dem Wollhaarmammut zu neuer Existenz zu verhelfen. Und durch ähnliche Manipulation des Schimpansengenoms könne man möglicherweise den Neandertaler wieder zum Leben bringen.

„Warum sollte man Neandertaler wiederbeleben wollen?“, fragte ein Gast.

„Um einen Verwandten zu schaffen, der uns einen neuen Blick auf uns ermöglicht“, antwortete Church. Der Mensch sei eine Monokultur, und Monokulturen seien eben biologisch gefährdet. Seine Antwort überzeugte nicht alle Anwesenden. „Wir haben schon genug Neandertaler in Washington“, rief Craig Venter, und mit dieser Bemerkung ging die Konferenz zu Ende.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.

Von Ed Regis erschien zuletzt „What is Life? Investigating the Nature of Life in the Age of Synthetic Biology“ bei Oxford University Press.

Ed Regis, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG [8.14.09]

Der New Yorker Literaturagent John Brockman und seine Edge Foundation hatten kürzlich zu einer außergewöhnlichen Zukunftskonferenz nach Los Angeles geladen. Zwei prominente Wissenschaftler, George Church, Molekulargenetiker in Harvard, und Craig Venter, Pionier bei der Entschlüsselung des Humangenoms, sprachen über die synthetische Genomik. Zu der Tagung, zu der nur ein ausgewählter Kreis eingeladen worden war, erschienen rund zwanzig Vertreter der Technologieelite Amerikas, darunter Larry Page, Mitbegründer von Google, Nathan Myhrvold, vormals Chief Technology Officer von Microsoft, und Elon Musk, Gründer von PayPal und Direktor von SpaceX, einem privaten Raketenbau- und Raumforschungsunternehmen, das in einem riesigen Gebäude unweit des Flughafens von Los Angeles untergebracht ist.

Der erste Tag des Treffens fand auf dem Areal von SpaceX statt, wo übrigens auch das Elektroauto Tesla produziert wird. Die synthetische Genomik, Thema der Konferenz, ist im Grunde Gentechnik in großem Stil. Sie beschäftigt sich mit der teilweisen oder vollständigen Ersetzung des natürlichen Genmaterials eines Organismus durch synthetisches Genmaterial.

Das Schreckgespenst der „Biohacker“

Von ihr erwartet man eine Vielzahl von biotechnischen Umbrüchen - beispielsweise Bakterien, die so programmiert werden, dass sie Kohle in Biogas umwandeln, oder Mikroben, die Kerosin produzieren. Mit wieder anderen Verfahren wollen Wissenschaftler ausgestorbene Lebewesen wieder zum Leben erwecken, etwa das Wollhaarmammut, vielleicht sogar den Neandertaler.

Natürlich kam auch das Schreckgespenst der „Biohacker“ zur Sprache, die neue Krankheitserreger produzieren. Aber Genomforscher sind ja fast zwangsläufig Optimisten. George Church, der über sein Spezialgebiet „Humangenetik 2.0“ sprach, erklärte seinen Zuhörern, wie sich das Genmaterial - die DNS - programmieren lässt. So wie Sequenzierungsautomaten die natürliche Ordnung eines DNS-Moleküls entziffern können, so können Automaten Komponenten einer gezielt manipulierten DNS schaffen, die, in eine Zelle eingebaut, deren normales Verhalten verändern. Bösartige Tumoren ziehen beispielsweise viele Bakterienzellen an. Durch präzise Manipulation des Bakteriengenoms kann man krebsbekämpfende Mikroben schaffen, also Organismen, die den Tumor angreifen, indem sie in die Geschwulst eindringen und dort synthetisch erzeugte Toxine freisetzen.

„Personalisierte“ Mäuse

Church und sein Harvard-Team haben inzwischen Bakterien programmiert, die jede dieser Funktionen separat ausüben, aber es ist ihnen noch nicht gelungen, sie zu einem komplett organisierten System zusammenzubauen. Trotzdem: „Wir sind nicht mehr weit von dem Punkt entfernt, wo wir diese Zellen quasi wie Computer programmieren können“, sagte Church.

Tumorkiller-Mikroben sind aber nur eine der vielen wundersamen Entwicklungen in Churchs Laboren. Ein anderes Projekt ist die Aussicht auf „personalisierte“ Mäuse. Es handelt sich um Säugetiere, denen Ausschnitte menschlicher DNS injiziert werden, damit sie Antikörper bilden, die vom jeweiligen Menschen nicht abgestoßen werden. Eine personalisierte, mit individuellem Genmaterial gespickte Maus würde dann Antikörper produzieren, die der entsprechende kranke Mensch nicht mehr abstoßen würde.

Resistent gegenüber konventionellen Enzymen, Parasiten und Erreger

Und was wäre wohl von synthetischen Organismen zu halten, die gegenüber einer ganzen Klasse natürlicher Viren resistent wären? Zwei Verfahren gibt es. Eines besteht darin, eine DNS zu konstruieren, die das Spiegelbild einer natürlichen DNS ist. Wie viele biologische und chemische Substanzen zeichnet sich die DNS durch Chiralität (Händigkeit) aus, das heißt, sie existiert in links- oder rechtshändiger Helixstruktur. In natürlichem Zustand sind die meisten biologischen Moleküle linkshändig. Durch künstliche Schaffung rechtshändiger DNS könnte man aber synthetische Organismen erzeugen, deren DNS das Spiegelbild des Originals ist. Diese wären resistent gegenüber konventionellen Enzymen, Parasiten und Erregern, weil ihre DNS von der Spiegelbildversion nicht erkannt würde. Solche synthetischen Organismen wären Teil einer ganz neuen „Spiegelwelt“.

Church ist außerdem Gründer und Direktor des „Personal Genome Project“. Dessen Ziel ist es, die Genome von hunderttausend Freiwilligen zu sequenzieren und ein Zeitalter der personalisierten Medizin einzuläuten. Anders als die lange übliche Standardkombination aus Pillen und Therapien wird die Medizin künftig passgenau wie ein Maßanzug auf das Individuum zugeschnitten.

„Leben auf anderen Planeten etablieren“

Gegen Ende des ersten Tages stellte Elon Musk, Charismatiker sondergleichen, eine Genomveränderung anderer Art vor. Während im Hintergrund ein Video vom Start seiner „Falcon 1“-Rakete auf dem südpazifischen Kwajalein-Atoll lief, sprach er über die Verpflanzung der Spezies Mensch auf andere Planeten. Dieses Ziel hätte man als unrealistisch abtun können, wäre nicht am 13. Juli, kurz vor der Konferenz, eine „Falcon 1“ gestartet, die den malaysischen Satelliten RazakSat auf eine Erdumlaufbahn brachte. Schon zuvor hatte SpaceX einen Auftrag der Nasa für Versorgungstransporte zur Internationalen Raumstation erhalten.

Wie ein Herrscher seine Untertanen führte Musk dann die Konferenzteilnehmer durch die Fertigungsanlagen seines Raumfahrtunternehmens. Wir sahen den Bereich, in dem das Triebwerk gebaut wird, wir sahen Komponenten der Trägerrakete, das Kontrollzentrum und ein Exemplar des „Dragon“-Raumschiffs, einer Kapsel für den Transport von Fracht oder Menschen zur Raumstation. „All das dient dem Ziel, Leben auf anderen Planeten zu etablieren“, sagte Musk.

Organismen auf ein Minimum an Genen reduzieren

Am zweiten Tag trat J. Craig Venter auf, Pionier des privaten Humangenomprojekts und Gründer von Synthetic Genomics Inc. Das ist eine Organisation, die sich der Vermarktung von Gentechniken verschrieben hat. Eine der Herausforderungen der synthetischen Genomik ist es, Organismen auf ein Minimum an Genen zu reduzieren, die zum Leben notwendig sind. „Reduktionistische Biologie“ nennt Venter das. Die Grundfrage sei, ob sich durch Kombination der geringsten Zahl an lebenswichtigen Genkomponenten neues Leben kreieren lasse.

Venter nutzt Bierhefe, die imstande ist, DNS-Fragmente zu funktionalen Chromosomen zusammenzubauen. Er schilderte ein Experiment, bei dem fünfundzwanzig synthetische DNS-Komponenten erzeugt und in eine Hefezelle eingebracht wurden, die von dieser zu einem Chromosom zusammengefügt wurden. Dabei kam es darauf an, die DNS-Teilchen so zu konstruieren, dass der Organismus sie korrekt zusammensetzen konnte. Venter stellte fest, dass Gene sich in Hefe leicht manipulieren ließen. Er konnte Gene einbringen, entfernen und eine Hefe mit neuen Eigenschaften erzeugen. Im August 2007 veränderte er die Individuen einer Spezies radikal: Er entnahm den Zellen je ein Chromosom, verpflanzte diese und schuf etwas völlig Neues. „Durch Veränderung der Software wurde der alte Organismus völlig eliminiert und ein neuer geschaffen“, so Venter.

„Die Software baut sich ihre eigene Hardware“

Venter und sein Forschungsteam schufen auch eine synthetische DNS-Kopie des PhiX-Bakteriophagen, eines kleinen, für Menschen ungefährlichen Bakterienparasiten. Eingesetzt in ein Kolibakterium, produzierte die Zelle die erforderlichen Proteine und setzte sie zu einem neuen Bakterienvirus zusammen, das seinerseits die Zelle vernichtete, aus der es hervorgegangen war. Und all das, so Venter, sei automatisch in der Zelle passiert: „Die Software baut sich ihre eigene Hardware.“

Diese und andere genomische Kreationen, Transformationen und Zerstörungen führten zu Fragen, wie sicher wir vor dem Albtraum gentechnisch produzierter Bakterien sind, die aus dem Labor entweichen und Unheil in die Welt bringen. Um das zu verhindern, könne man, so Venter, den Organismus mit „Suizidgenen“ versehen - das heißt ihn mit einer chemischen Abhängigkeit ausstatten, so dass er außerhalb des Labors nicht überlebensfähig ist. Außerhalb des Labors würden diese künstlichen Zellen absterben.

„Es ist nicht schwer, Algen dazu zu bringen, Öl zu produzieren“

Wenn dem so ist, wäre das eine gute Nachricht, denn Venter und sein Team sind gegenwärtig dabei, mit Forschungsgeldern von Exxon-Mobil eine fünf bis sieben Quadratkilometer große Algenfarm einzurichten, in der umprogrammierte Algen Biokraftstoff produzieren werden. „Es ist nicht schwer, Algen dazu zu bringen, Öl zu produzieren“, sagte Venter. „Die Menge ist das Problem.“ Um als praktikable Energielieferanten dienen zu können, müssen Algenfarmen groß sein, und das macht sie teuer. Algen haben jedoch den Vorteil, dass sie Kohlendioxid verbrauchen und Sonnenlicht als Energiequelle verwenden. Potentiell haben wir also lebende Solarzellen, die Kohlendioxid fressen und dabei neue Kohlenwasserstoffe - den Treibstoff - produzieren.

Das letzte Wort hatte Church mit seinem Projekt „Engineering Humans 2.0“. Der Mensch, meinte er, sei in vielerlei Hinsicht beschränkt: in seiner Konzentrations- und Erinnerungsfähigkeit, durch die Kürze des Lebens und so weiter. Mit Hilfe der Gentechnik könnten all diese Unzulänglichkeiten und Einschränkungen korrigiert werden. Die gemeine Labormaus habe eine Lebensdauer von zweieinhalb Jahren, der Nacktmull dagegen erreicht das hohe Alter von fünfundzwanzig Jahren. Es sei möglich, diejenigen Gene zu finden, die zur Langlebigkeit des Nacktmulls beitragen, und wenn man diese Gene in die Labormaus einsetze, könne man deren Lebensdauer allmählich steigern.

„Warum sollte man Neandertaler wiederbeleben wollen?“

Analog könne man bei Menschen verfahren, also die Lebensdauer verlängern und das Gedächtnis verbessern, aber es frage sich, ob das klug wäre. Es gebe immer Nachteile, sagte Church. Man kann es einrichten, dass die Menschen größere und kräftigere Knochen haben, aber nur um den Preis, dass sie massiger und plumper werden. Auf einer Konferenz, in der über grenzenlose Machbarkeit gesprochen wurde, waren diese Worte eine willkommene Mahnung.

Doch dann erklärte er, dass es vermutlich möglich sei, durch gezielte Manipulation des Elefantengenoms dem Wollhaarmammut zu neuer Existenz zu verhelfen. Und durch ähnliche Manipulation des Schimpansengenoms könne man möglicherweise den Neandertaler wieder zum Leben bringen.

„Warum sollte man Neandertaler wiederbeleben wollen?“, fragte ein Gast.

„Um einen Verwandten zu schaffen, der uns einen neuen Blick auf uns ermöglicht“, antwortete Church. Der Mensch sei eine Monokultur, und Monokulturen seien eben biologisch gefährdet. Seine Antwort überzeugte nicht alle Anwesenden. „Wir haben schon genug Neandertaler in Washington“, rief Craig Venter, und mit dieser Bemerkung ging die Konferenz zu Ende.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.

Von Ed Regis erschien zuletzt „What is Life? Investigating the Nature of Life in the Age of Synthetic Biology“ bei Oxford University Press.

CHARLIE ROSE [8.13.09]

CHARLIE ROSE: Freeman Dyson is here. He has spent a lifetime grappling with some of the toughest problems in science and beyond. As a young physicist, he achieved worldwide recognition by merging three competing theories of quantum physics. Dyson has since become a best- selling author on topics from biotechnology to extraterrestrial
intelligence.

In recent years, he has emerged as a critic of climate change. In March, “The New York Times” profiled him in an article called, "The Globing Warming Heretic." The piece asked, "How did Freeman Dyson, revered scientist, liberal intellectual, problem solver, wind up infuriating the environmentalists?"

We’ll ask that and more. I’m pleased to have Freeman Dyson back at this table. Welcome.

FREEMAN DYSON: Thank you.

CHARLIE ROSE: I’ll get to this in a moment, but you really stirred them up when you talked about global warming, don’t you?

FREEMAN DYSON: So, that article, of course, is totally misleading. Global warming is a very small part of my concern. ...

[...]

[ED NOTE: Two years ago Edge published Freeman Dyson's essay "Heretical ThoughtsAbout Science and Society" [8.8.07]. In it he wrote:

My first heresy says that all the fuss about global warming is grossly exaggerated. Here I am opposing the holy brotherhood of climate model experts and the crowd of deluded citizens who believe the numbers predicted by the computer models. Of course, they say, I have no degree in meteorology and I am therefore not qualified to speak. But I have studied the climate models and I know what they can do. The models solve the equations of fluid dynamics, and they do a very good job of describing the fluid motions of the atmosphere and the oceans. They do a very poor job of describing the clouds, the dust, the chemistry and the biology of fields and farms and forests. They do not begin to describe the real world that we live in. The real world is muddy and messy and full of things that we do not yet understand. It is much easier for a scientist to sit in an air-conditioned building and run computer models, than to put on winter clothes and measure what is really happening outside in the swamps and the clouds. That is why the climate model experts end up believing their own models.

The conversation around Dyson's "heretical" ideas has continued, and most recently he was the subject of a critical cover story in The New York Times Magazine. On August 14th he appeared on Charlie Rose to talk about global warming, origins of life, why he believes in belief. ... — JB]

CHARLIE ROSE [8.13.09]

CHARLIE ROSE: Freeman Dyson is here. He has spent a lifetime grappling with some of the toughest problems in science and beyond. As a young physicist, he achieved worldwide recognition by merging three competing theories of quantum physics. Dyson has since become a best- selling author on topics from biotechnology to extraterrestrial 
intelligence.

In recent years, he has emerged as a critic of climate change. In March, "The New York Times" profiled him in an article called, "The Globing Warming Heretic." The piece asked, "How did Freeman Dyson, revered scientist, liberal intellectual, problem solver, wind up infuriating the environmentalists?"

We'll ask that and more. I'm pleased to have Freeman Dyson back at this table. Welcome.

FREEMAN DYSON: Thank you.

CHARLIE ROSE: I'll get to this in a moment, but you really stirred them up when you talked about global warming, don't you?

FREEMAN DYSON: So, that article, of course, is totally misleading. Global warming is a very small part of my concern. ...

[...]

Andrian Kreye, SUEDDEUTSCHE ZEITUNG [8.12.09]

...Genetic engineering is now at a point where computer science was around the mid-eighties. The early PCs were limited as to purpose and network. In two and a half decades, the computer has led us into a digial world in which every aspect of lives has been affected. According to Moore's Law, the performance of computers doubles every 18 months. Genetic engineering is following a similar growth. On the last weekend in July, Craig Venter and George Church met in Los Angeles to lead a seminar on synthetic genetic engineering for John Brockman's science forum Edge.org.

Genetic engineering under Church has been following the grwoth of computer science growing by a factor of tenfold per year. After all, the cost of sequencing a genome dropped from three billion dollars in 2000 to around $50 000 dollars as Stanford University's Dr. Steven Quake genomics engineer announced this week. 17 commercial companies already offer similar services. In June, a "Consumer Genetics" exhibition was held in Boston for the first time. The Vice President of Knome, Ari Kiirikki, assumes that the cost of sequencing a genome in the next ten years will fall to less than $1,000. In support for this development, the X-Prize Foundation has put up a prize of ten million dollars for the sequencing of 100 full genomes within ten days for the cost of less than $10,000 dollars per genome sequenced. 

It is now up to the companies themselves to provide an ethical and legal standing to commercial genetic engineering. The States of New York and California have already made the sale of genetic tests subject to a prescription. This is however only a first step is to adjust a new a new commercialized science which is about to cause enormous changes similar to those brought about be computer science. Medical benefits are likely to be enormous. Who knows about dangers in its genetic make-up, can preventive measures meet. The potential for abuse is however likewise given. Health insurances and employers could discriminate against with the DNS information humans. Above all however our self-understanding will change. Which could change, if synthetic genetic engineering becomes a mass market, is not yet foreseeable. For example, Craig Venter is working on synthetic biofuels. If successful, such a development would re-align technology, economics and politics in a fundamental way. Of one thing we can already be certain. The question of whether genetic engineering will becomes available for all is no longer on the table. It has already happened.

SPIEGEL ONLINE [8.12.09]

Von aktuellen Entwicklungen aus der schönen neuen Welt der Genom-Sequenzierung berichtet Andrian Kreye: "Am letzten Juliwochenende trafen sich Craig Venter und George Church in Los Angeles, um für John Brockmans Wissenschaftsforum Edge.org ein Seminar über synthetische Gentechnik zu leiten. Die Gentechnik, so Church, habe die Informatik dabei längst hinter sich gelassen und entwickle sich mit einem Faktor von zehn pro Jahr. Immerhin - der Preis für die Sequenzierung eines Genoms ist von drei Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf rund 50.000 Dollar gefallen, wie der Ingenieur der Stanford University Dr. Steven Quake diese Woche bekanntgab. 17 kommerzielle Firmen bieten ihre Dienste schon an."

THE WALKMAN OF GENETIC ENGINEERING: THE MOVE FROM SCIENCE TO A NEW WORLD OF PRODUCTS
SUEDDEUTSCHE ZEITUNG [8.12.09]

...Genetic engineering is now at a point where computer science was around the mid-eighties. The early PCs were limited as to purpose and network. In two and a half decades, the computer has led us into a digial world in which every aspect of lives has been affected. According to Moore's Law, the performance of computers doubles every 18 months. Genetic engineering is following a similar growth. On the last weekend in July, Craig Venter and George Church met in Los Angeles to lead a seminar on synthetic genetic engineering for John Brockman's science forum Edge.org.

Genetic engineering under Church has been following the grwoth of computer science growing by a factor of tenfold per year. After all, the cost of sequencing a genome dropped from three billion dollars in 2000 to around $50 000 dollars as Stanford University's Dr. Steven Quake genomics engineer announced this week. 17 commercial companies already offer similar services. In June, a "Consumer Genetics" exhibition was held in Boston for the first time. The Vice President of Knome, Ari Kiirikki, assumes that the cost of sequencing a genome in the next ten years will fall to less than $1,000. In support for this development, the X-Prize Foundation has put up a prize of ten million dollars for the sequencing of 100 full genomes within ten days for the cost of less than $10,000 dollars per genome sequenced. 

It is now up to the companies themselves to provide an ethical and legal standing to commercial genetic engineering. The States of New York and California have already made the sale of genetic tests subject to a prescription. This is however only a first step is to adjust a new a new commercialized science which is about to cause enormous changes similar to those brought about be computer science. Medical benefits are likely to be enormous. Who knows about dangers in its genetic make-up, can preventive measures meet. The potential for abuse is however likewise given. Health insurances and employers could discriminate against with the DNS information humans. Above all however our self-understanding will change. Which could change, if synthetic genetic engineering becomes a mass market, is not yet foreseeable. For example, Craig Venter is working on synthetic biofuels. If successful, such a development would re-align technology, economics and politics in a fundamental way. Of one thing we can already be certain. The question of whether genetic engineering will becomes available for all is no longer on the table. It has already happened.

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THE NEW YORK REVIEW OF BOOKS [8.12.09]

dyson_1-081309.jpg

Science Musuem, London/Bridgeman Art Library

The first balloon crossing of the English Channel, January 7, 1785; detail from an oil painting by E.W. Cocks, circa 1840

The Age of Wonder means the period of sixty years between 1770 and 1830, commonly called the Romantic Age. It is most clearly defined as an age of poetry. As every English schoolchild of my generation learned, the Romantic Age had three major poets, Blake and Wordsworth and Coleridge, at the beginning, and three more major poets, Shelley and Keats and Byron, at the end. In literary style it is sharply different from the Classical Age before it (Dryden and Pope) and the Victorian Age after it (Tennyson and Browning). Looking at nature, Blake saw a vision of wildness:

Tyger, tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Could frame thy fearful symmetry?

Byron saw a vision of darkness:

The bright sun was extinguish’d, and the stars
Did wander darkling in the eternal space,
Rayless, and pathless, and the icy earth
Swung blind and blackening in the moonless air….

During the same period there were great Romantic poets in other countries, Goethe and Schiller in Germany and Pushkin in Russia, but Richard Holmes writes only about the local scene in England.

Holmes is well known as a biographer. He has published biographies of Coleridge and Shelley and other literary heroes. But this book is primarily concerned with scientists rather than with poets. The central figures in the story are the botanist Joseph Banks, the chemists Humphry Davy and Michael Faraday, the astronomers William Herschel and his sister Caroline and son John, the medical doctors Erasmus Darwin and William Lawrence, and the explorers James Cook and Mungo Park. The scientists of that age were as Romantic as the poets. The scientific discoveries were as unexpected and intoxicating as the poems. Many of the poets were intensely interested in science, and many of the scientists in poetry.

The scientists and the poets belonged to a single culture and were in many cases personal friends. Erasmus Darwin, the grandfather of Charles Darwin and progenitor of many of Charles’s ideas, published his speculations about evolution in a book-length poem, The Botanic Garden, in 1791. Humphry Davy wrote poetry all his life and published much of it. Davy was a close friend of Coleridge, Shelley a close friend of Lawrence. The boundless prodigality of nature inspired scientists and poets with the same feelings of wonder. The Age of Wonder is popular history at its best, racy, readable, and well documented. The subtitle, “How the Romantic Generation Discovered the Beauty and Terror of Science,” accurately describes what happened.

Holmes presents the drama in ten scenes, each dominated by one or two of the leading characters. The first scene belongs to Joseph Banks, who sailed with Captain James Cook on the ship Endeavour. This was Cook’s first voyage around the world. One of the purposes of the expedition was to observe the transit of Venus across the disc of the sun on June 3, 1769, from the island of Tahiti in the South Pacific. The tracking of the transit from the Southern Hemisphere, in combination with similar observations made from Europe, would give astronomers more accurate knowledge of the distance of the earth from the sun. Banks was officially chief botanist of the expedition, but he quickly became more interested in the human inhabitants of the island than in the plants. The ship stayed for three months at Tahiti, and he spent most of the time, including the nights, ashore. During the nights he was not observing plants.

A wealthy young man accustomed to aristocratic privileges in England, Banks quickly made friends with the Tahitian queen Oborea, who assigned one of her personal servants, Otheothea, to take care of him. With the help of Otheothea and other good friends, he acquired some fluency in the Tahitian language and customs. His journal contains a Tahitian vocabulary and detailed descriptions of the people he came to know. When the time came to set up the astronomical instruments and observe the transit of Venus, he took the trouble to explain to his Tahitian friends what was happening. “To them we shewd the planet upon the sun and made them understand that we came on purpose to see it.”

During the long months at sea after leaving Tahiti, Banks rewrote his journal entries into a formal narrative, “On the Manners and Customs of the South Sea Islands,” one of the founding documents of the science of anthropology. In a less formal essay written after his return to England, he wrote:

In the Island of Otaheite where Love is the Chief Occupation, the favourite, nay almost the Sole Luxury of the Inhabitants, both the bodies and souls of the women are modeld in the utmost perfection for that soft science.

The Tahiti that he describes was truly an earthly paradise, not yet ravaged by European greed and European diseases, twenty years before the visit of William Bligh and the Bounty mutineers, sixty-six years before the visit of Charles Darwin and the Beagle.

After exploring the South Seas, Cook sailed down the eastern coast of Australia and landed at Botany Bay. Banks failed to establish social contacts with the Australian aborigines and returned to his role as botanist, bringing back to England a treasure trove of exotic plants, many of them today carrying his name. After he returned to England, he found that he and Captain Cook had become public heroes. He was invited to meet King George III, who was then young and of sound mind and shared his passion for botany. He remained a lifelong friend of the King, who actively supported his creation of the national botanic garden at Kew.

Banks became president of the Royal Society in 1778 and held that office for forty-two years, officially presiding over British science for more than half of the Age of Wonder. He presided with a light hand and did not attempt to turn the Royal Society into a professional organization like the academies of science in Paris and Berlin. He believed that science was best done by amateurs like himself. If some financial support was needed for people without private means, it could best be provided by aristocratic patrons.

One of those for whom Banks found support was William Herschel, the greatest astronomer of the age. Herschel was a native Hanoverian, and was conscripted at the age of seventeen to fight for Hanover in the Seven Years’ War against the French. After surviving a battle that the Hanoverians lost, he escaped to England to begin a new life as a professional musician. Starting as a penniless refugee, he rose rapidly in the English musical world. By his late twenties he was director of the orchestra in the Pump Room at Bath, the health resort where people of wealth congregated to take the waters and listen to concerts. He stayed at Bath for sixteen years, running the musical life of the city by day and scanning the sky at night. As an astronomer he was a complete amateur, unpaid and self-taught.

At the beginning, when Herschel began observing the heavenly bodies, he believed that they were inhabited by intelligent aliens. The round objects that he saw on the moon were cities that the aliens had built. He continued throughout his life to publish wild speculations, many of which turned out later to be correct. He had two great advantages as an observer. First, he built his own instruments, and with his musician’s hands made exquisitely figured mirrors that gave sharper images than any other telescopes then existing. Second, he brought his younger sister Caroline over from Hanover to be his assistant, and she became an expert observer with many independent discoveries to her credit. His life as an amateur ended in 1781 when with Caroline’s help he discovered the planet Uranus.

As soon as Banks heard of the discovery, he invited Herschel to dinner, introduced him to the King, and arranged for him to be appointed the King’s personal astronomer with a salary of £200 a year, later supplemented by a separate salary of £50 a year for Caroline. Herschel’s musical career was over, and he spent the rest of his life as a professional astronomer. He obtained royal funding to build bigger telescopes, and embarked on a systematic survey of every star and nebulous object in the sky, pushing his search outward to include objects fainter and more distant than anyone else had seen.

Herschel understood that when he looked at remote objects he was looking not only into deep space but into deep time. He correctly identified many of the nebulous objects as external galaxies like our own Milky Way, and calculated that he was seeing them as they existed at least two million years in the past. He showed that the universe was not only immensely large but immensely old. He published papers that moved away from the old Aristotelian view of the heavens as a static domain of perpetual peace and harmony, and toward the modern view of the universe as a dynamically evolving system. He wrote of “a gradual dissolution of the Milky Way” that would provide “a kind of chronometer that may be used to measure the time of its past and future existence.” This idea of a galactic chronometer was the beginning of the new science of cosmology.

As Holmes’s account suggests, all the leading scientists of the Romantic Age, like Banks and Herschel, started their lives as brilliant, unconventional, credulous, and adventurous amateurs. They blundered into science or literature in pursuit of ideas that were often absurd. They became sober professionals only after they had achieved success. Another example was Humphry Davy, who originally intended to be a physician and worked, as part of his medical training, as an assistant at the Pneumatic Institution in Bristol. The Pneumatic Institution was a clinic where patients were treated for ailments of all kinds by inhaling gases. Among the gases available for inhaling was nitrous oxide. Davy experimented enthusiastically with nitrous oxide, using himself and his friends, including Coleridge, as subjects. After one of these sessions, he wrote:

I have felt a more high degree of pleasure from breathing nitrous oxide than I ever felt from any cause whatever—a thrilling all over me most exquisitely pleasurable, I said to myself I was born to benefit the world by my great talents.

Davy was so popular in Bristol that he was invited at the age of twenty-three to become assistant lecturer in chemistry at the Royal Institution in London. The Royal Institution was a newly founded venture that provided “regular courses of philosophical lectures and experiments” for fashionable London audiences. For the preparation of experimental demonstrations to astound and educate the public, the lecturer was provided with a laboratory where he could also do original research.

Davy promptly switched his research activities from physiology to chemistry. He became the first electrochemist, using a huge electric battery to decompose chemical compounds, and discovered the elements sodium and potassium. Later he invented the Davy safety lamp, which made it possible for coal miners to work underground without killing themselves in methane explosions. The lamp made him even more famous. Coleridge invited him to move north and establish a chemical laboratory in the Lake District where Coleridge and Wordsworth lived. Coleridge wrote to him, “I shall attack Chemistry like a Shark.” Davy wisely stayed in London, where he succeeded Banks as president of the Royal Society and chief panjandrum of British science. The poet Byron gave him a couple of lines in his poem Don Juan :

SPIEGEL ONLINE [8.12.09]

"Lächerlichkeit des Gefallenwollens"

Die "NZZ" fragt: Wie wird Google E-Books "verkaufen"? Und wem "gehören" sie dann eigentlich? Und "Die Zeit" bringt eine Exklusivgeschichte: Vor 250 Jahren erfanden Goethe und Schiller die Freundschaft.

 

Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2009

Joachim Güntner graut es vor Googles Plänen für sein Feature "Edition", einer ArtCloud-Bibliothek, über die Leser Zugang zu E-Books erhalten, die auf einem Google-Server liegen. Selbst besitzen wird man sie nicht. "Sollten wird damit hadern, dass die Herren dieses neuen Wolkenkuckucksheims theoretisch überjeden Griff ins virtuelle Bibliotheksregal informiert sind? Dass sie sogar ein ungefähres Bild unseres Lesetempos erhalten? Das lässt sich ja doch alles ohne weiteres dokumentieren, wird aber die um ihre Intimität unbekümmerteGeneration Facebook nicht weiter stören." Weitere Artikel: Stanislaus von Moos, emeritierter Professor für Kunstgeschichte, lobt den künstlerischen und didaktischen Anspruch der Berliner Museumsinsel und fragt sich, warum das im Zürcher Landesmuseum nicht denkbar ist. Susanne Ostwald informiert auf der Kinoseite über den neuen Almodovarfilm "Zerrissene Bilder", seiner Liebe zum Kino und zu Penelope Cruz. Christoph Egger stellt den Film "Tödliches Kommando" vonKathryn Bigelow vor. 

Besprochen werden August Strindberg Reportage "Unter französischen Bauern" , der Roman von Felix Philipp Ingold "Gegengabe - aus kritischen, poetischen und privaten Feldern" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Die Tageszeitung, 13.08.2009

Der britische Künstler und Filmemacher Steve McQueen erklärt im Interview, warum es in seinem Spielfilmdebüt "Hunger" über den Hungerstreik von IRA-Häftlingen Anfang der 80er-Jahre eine 22-minütige Gesprächsszene gibt: "Wenn Gewalt ins Extrem getrieben wird, dann wird auch Sprache ins Extrem getrieben. Die Häftlinge waren ausgesprochen eloquent, weil sie die Sprache voll ausschöpften, um ihre Realität erfassen zu können. Wenn sie mit dem Sprechen fertig sind, geschieht die Gewalt, und wenn die Gewalt an ihr Ende kommt, beginnt wieder das Sprechen. Das wird im Film evident. Ich wollte, dass die Szene wie das Wimbledon-Finale von Connors und McEnroe würde."

Besprochen werden Sion Sonos Spielfilm "Love Exposure" über einen Liebe suchenden Teenager, das Spielfilmdebüt "Ein Augenblick Freiheit" von Arash T. Riahi, das von iranischen Flüchtlingen in Ankara erzählt, Henry SelicksAnimationsfilm "Coraline" sowie der Roman "Brüder" von Yu Hua über das China des 20. Jahrhunderts (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

In tazzwei räsoniert Jan Feddersen über die Geburt der zuweilen durchaus nervenden alternativen Bewegung in Woodstock. Und Katia Meade informiertüber eine schwarze Romanfigur, die auf dem Buchcover von Justine Larbalestiers Thriller "Liar" ein weißes Gesicht bekam, weshalb der amerikanische Verlag nun zurückrudern muss.

Hier Tom.

Aus den Blogs, 13.08.2009

Thomas Rohde hat sich für Bewegte Lettern die Mühe gemacht, einen VortragLawrence Lessigs zum Google Book Settlement teilweise zu transskribieren. Lessig ist kritisch: "We're building into this not so much a digital library but adigital bookstore."

Netzpolitik hat zu ironischen Variationen eines Wahlkampfplakats von Wolfgang Schäuble aufgerufen. Dagegen wollte die Fotografin, die Schäuble für das Plakat portraitierte, klagen - aber sie verzichtet nun doch. Sie hätte auch nicht viel Aussicht auf Erfolg gehabt, meint der Rechtsanwalt Udo Vetter in seinemLawblog: "Zunächst hat die Fotografin in einem Punkt recht. Das Urheberrechtfür die Fotos liegt bei ihr. Schon deswegen, weil man das Urheberrecht nicht übertragen kann. Was man als Inhaber des Urheberrechts allerdings übertragen kann, sind die Nutzungsrechte. Wie weit diese im vorliegenden Fall jedenfalls gehen, lässt sich auf der Homepage der CDU nachlesen, wo es auch die Plakate zum Download gibt: 'Alle Bilder auf www.bilder.cdu.de können für redaktionelle Zwecke unter Angabe des Bildnachweises (Foto: www.bilder.cdu.de) sowie des Fotografen (soweit genannt) kostenlos verwendet werden.'"

(Via BoingBoing) Gehirnpraline, gefälligst?

Frankfurter Rundschau, 13.08.2009

Pitt von Bebenburg sieht mit der Recherche "Die Vier" des FAS-Politikchefs Volker Zastrow auch die Berichterstattung der FAZ zu Andrea Ypsilantis Widersachernrevidiert: Zumindest zwei von ihnen haben aus gar nicht so hehren Gewissensgründen agiert, wie es die FAZ mit ihrer damaligen Schlagzeile "Die fantastsischen Vier" wollte. In Times mager empfiehlt Ina Hartwig allerdings auch in diesem Fall, mehr Proust zu lesen: "Dann nämlich wäre Zastrow die herzergreifende Figur des Baron de Charlus vertraut, der sich im Kampf gegen das unaufhaltsame Werk der Zeit das Haar färbt und die Wangen pudert und dabei eine so traurige Würde ausstrahlt, dass die Lächerlichkeit des Gefallenwollens im Nu verpufft."

Weiteres: Ulrich Kurth berichtet vom Klavierfestival in La Roque d'Antheron. Auf der Medienseite beschwert sich Daniel Bouhs über die Praxis der Hypo Real Estate, die bei ihrer Hauptversammlung keine journalistischen Aufzeichnungen zuzulassen.

Besprochen werden Steve McQueens Film "Hunger" über den Hungerstreik der IRA, Kathryn Bigelows Irakfilm "Tödliches Kommando" und der 3D-Kinderfilm"Coraline".

Die Zeit, 13.08.2009

Ein in aller Bandbreite ausgeschöpftes Sommerthema ist die Freundschaft, die vor 250 Jahren von Goethe und Schiller erfunden wurde (so ähnlich meldet die Seite eins). Der Philosoph und Autor Rüdiger Safranski spricht über Goethe und Schiller, um deren Verhältnis zueinander es in seinem neuem Buch geht: "Freiheit ist ja immer durch Ressentiment und durch Neid bedroht. Du kannst Ressentiment nur überwinden, indem du offensiv das, was bewundernswert ist, bewunderst. Schiller entschließt sich zur Freundschaft mit Goethe, sie ist ihm nicht in den Schoß gefallen."

Außerdem schreibt Elisabeth von Thadden über die Brüderlichkeit unter Frauen; Adam Soboczynski erklärt, warum Kleist von Goethe und Schiller außen vor gelassen wurde; Peter Kümmel dechiffriert die Codes der Freundschaft in Blog, E-Mail und SMS; Eberhard Straub untersucht die besondere Begabung derDeutschen zur Freundschaft; Ijoma Mangold bekennt sich dazu, auch unterKollegen Freunde zu haben.

Weitere Artikel: Den Typus des Kino-Soldaten findet Katja Nicodemus in Kathryn Bigelows Film "Tödliches Kommando" und anderen Irakkriegsfilmen: "Männer, die ihrem Job mit der Nüchternheit von Postboten oder Automechanikern, nur eben in kugelsicheren Westen nachgehen." Carolin Emcke besucht den israelischenSchriftsteller David Grossman. Der New Yorker Theatermann Tuvia Tenenboom hat im Auftrag der Zeit Bayreuth besucht und kann Woody Allen beruhigen: Wagner hören hat ihn nicht dazu animiert, Polen zu überfallen. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich huldigt der Kunst des Bad Painting. Detlef Kuhlbrodt feiert Sion Sonos Film "Love Exposure" als japanisch, katholisch und albern. Zu den Mitarbeitern der Woche kürt Ulrich Stock die Musiker der Band Herman Dune.

Auf den Literaturseiten werden unter anderem Yu Huas Roman "Brüder" undPeter Stamms "Sieben Jahre" besprochen (mehr ab 14 Uhr in unsererBücherschau des Tages).

Die Welt, 13.08.2009

Rolf Schneider wundert sich aus Anlass des heutigen Jahrestages, warum noch nie eine Literaturgeschichte der Mauer geschrieben wurde: "Merkwürdiges träte zutage: Unmittelbar nach dem 13. August 1961 richteten die damaligen West-Berliner Autoren Günter Grass und Wolfdietrich Schnurre an den DDR-Schriftstellerverband einen Offenen Brief mit der Aufforderung, 'das Unrecht vom 13. August beim Namen zu nennen ... Wer schweigt, wird schuldig.' Die Antwort verfasste Stephan Hermlin, ein als eher liberal geltender DDR-Autor: 'Von welchem Unrecht sprechen Sie? ... Was am 13. August erfolgte, war ein logischer Schritt in einer Entwicklung, die nicht von dieser Seite der Stadt eingeleitet wurde.'"

Weitere Artikel: Wolfgang Kraushaar fragt, ob es eine Mitschuld der Studentenbewegung an Theodor W. Adornos Tod vor vierzig Jahren gegeben hat. Matthias Heine liest einen Band der "Mitteilungen des deutschen Germanistenverbandes", der zu einem recht optimistischen Befund über die Vitalität der deutschen Sprache kommt. Dankwart Guratzsch wundert sich, dass die Dresdner nach der umstrittenen und teuren Waldschlösschenbrücke nun auch noch eine ganze Menge Tunnel bauen wollen. Daniel Müller unterhält sich mit dem Popsänger Jan Delay über sein neustes Album. Elmar Jung porträtiert die rechtspopulistische dänische Politikerin Pia Kjaersgaard, die chauvinistische Töne in der Kulturpolitik anschlägt. Manuel Brug besucht das Rossini-Festival in Pesaro.

Besprochen werden Filme, darunter ein Biopic über Coco Chanel mit Audrey Tautou.

Weitere Zeitungen, 13.08.2009

Das Wachstum der (englischen) Wikipedia verlangsamt sich, meldet derGuardian: "While the encyclopedia is still growing overall, the number of articles being added has reduced from an average of 2,200 a day in July 2007 to around1,300 today."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2009

Richard Kämmerlings kann keine Krebsbücher mehr lesen; auch das demnächst erscheinende von Georg Diez über den "Tod seiner Mutter" gefällt ihm aus prinzipiellen Gründen nicht: Keiner, findet Kämmerlings, entkommt bei dem Thema dem Boulevard. Hannes Hintermeier berichtet über die Bestrebungenseparatistischer Franken, die nach Bayern gebrachte Beutekunst "an die fränkischen Ursprungsorte" zurückzubringen. In der Glosse informiert Dirk Schümer über italienische Ideen, der Nationalhymne regionale Hymnenbeizugesellen. Christian Wilhagen kann sich sehr für die Bachwoche (Website) in der Stadt Ansbach begeistern, obwohl der Meister selbst zeitlebens nie vor Ort war. Andreas Kilb weiß, was sich in der Bibliothek des Bremer Historikers Gerhard Knoll befindet, die die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten soeben angekauft hat. Der Jurist Christoph Möllers erklärt, worin das Problem des Vertrags zwischen dem Land Brandenburg und der jüdischen Gemeinde liegt, den das Bundesverfassungsgericht nun für ungültig erklärt hat. Auf der Kinoseite schreibt Rüdiger Suchsland über die Anime-Reihe (Website) beim Filmfestival von Locarno.

Besprochen werden die "John Wesley"-Ausstellung in der Fondazione Prada in Venedig, eine große Ausstellung zum Verleger Johann Friedrich Cotta imStadtmuseum Tübingen, Kathryn Bigelows Irakkriegs-Film "Tödliches Kommando"und Bücher, darunter Peter-Andre Alts Studie "Kafka und der Film" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Süddeutsche Zeitung, 13.08.2009

Von aktuellen Entwicklungen aus der schönen neuen Welt der Genom-Sequenzierung berichtet Andrian Kreye: "Am letzten Juliwochenende trafen sich Craig Venter und George Church in Los Angeles, um für John Brockmans Wissenschaftsforum Edge.org ein Seminar über synthetische Gentechnik zu leiten. Die Gentechnik, so Church, habe die Informatik dabei längst hinter sich gelassen und entwickle sich mit einem Faktor von zehn pro Jahr. Immerhin - der Preis für die Sequenzierung eines Genoms ist von drei Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf rund50.000 Dollar gefallen, wie der Ingenieur der Stanford University Dr. Steven Quake diese Woche bekanntgab. 17 kommerzielle Firmen bieten ihre Dienste schon an."

Weitere Artikel: Stephan Speicher erklärt mit historischer Fundierung, dass "Gehaltsexzesse" ökonomisch begründbar sein mögen, deswegen aber noch lange nicht auch gerecht sind. Laura Weissmüller besucht den für den Preis der Neuen Nationalgalerie nominierten Konzeptkünstler Danh Vo in seiner winzigen Kreuzberger Hochhaus-Wohnzelle. Till Briegleb unterhält sich mit Matthias von Hartz, dem künstlerischen Leiter des Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel in Hamburg. Kia Vahland kommentiert den jüngsten, vom Panzerglas abgeschmetterten Teetassenwurf in Richtung Mona Lisa. Vom Filmfestival inLocarno berichtet Fritz Göttler. In der inzwischen SZ-üblichen unkritischen Vorabwerbung bereitet Tobias Kniebe schon mal auf Oskar Roehlers Film über die Entstehung des Films "Jud Süß" vor. Gemeldet wird, dass amerikanische Autoren wie Jonathan Lethem und Michael Chabon von Google Books mehr Privatheit bei der Online-Lektüre fordern (mehr dazu auch in dem Blog BoingBoing. Volker Breidecker gratuliert dem "Subkulturisten" Rolf Schwendtner zum Siebzigsten.

Besprochen werden Alvis Hermanis' in Hallein aufgeführte "Sound of Silence"-Performance, die neu anlaufenden Filme "Tödliches Kommando" von Kathryn Bigelow (Tobias Kniebe staunt über die "Regieamazone in der Menopause"),"Love Exposure" von Sono Sion und "G.I. Joe" von Stephen Sommers sowie Bücher, darunter Peer Pettersons Roman "Ich verfluche den Fluss der Zeit" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

NEW SCIENTIST [8.6.09]

The Genome Wager

In the spirit of famous scientific wagers by notable scientists, such as Stephen Hawking and Richard Feynman, two leading biologists, Professor Lewis Wolpert and Dr Rupert Sheldrake, have set up a wager on the predictive value of the genome.

The wager will be decided on May 1, 2029, and if the outcome is not obvious, the Royal Society, the world’s most venerable scientific organization, will be asked to adjudicate. The winner will receive a case of fine port, Quinta do Vesuvio, 2005, which should have reached perfect maturity by 2029 and is being stored in the cellars of The Wine Society.

Prof Wolpert bets that the following will happen. Dr Sheldrake bets it will not:

By May 1, 2029, given the genome of a fertilized egg of an animal or plant, we will be able to predict in at least one case all the details of the organism that develops from it, including any abnormalities.

Prof Wolpert and Dr Sheldrake agree that at present, given the genome of an egg, no one can predict the way an embryo will develop. The wager arose from a debate on the nature of life between Wolpert and Sheldrake at the 2009 Cambridge University Science Festival.

[ED. NOTE: This wager began with the replies by Wolpert and Sheldrake to the EdgeQuestion Center 2009.]

THE NEW YORK TIMES — TIERNEY LAB [8.2.09]

There is a growing consensus (at least in Silicon Valley) that the information age is about to give way to the era of synthetic genetics. That was underscored recently when Harvard geneticist George Church and J. Craig Venter — of the race to decode the human genome fame — gave lectures before a small group of scientists, technologists, entrepreneurs, and writers in West Hollywood.

The event, billed as “A Short Course on Synthetic Genomics,” was organized by John Brockman, the literary impresario (and book agent for several New York Times reporters, including this one) who publishes the cybersalon-style website www.edge.org, a forum dedicated to scientists (many of whom are his clients) and their ideas.

In roughly six hours of lectures, both scientists tried to convey how the world will be changed by the ability to routinely read genetic sequences into computing systems and then store, replicate, alter and insert them back into living cells.

The rate at which this technology is now improving puts silicon to shame. Dr. Church noted that between 1970 and 2005 gene sequencing had taken place on a Moore’s Law pace, improving at about 1.5 times per year. Since then it has improved at the rate of an order of magnitude, or ten times annually.

In the process the cost of sequencing the human genome has plunged from $3 billion to $5 thousand and continues to fall. Dr. Church identified 17 companies and one “open source” project all pursuing different technologies to further push down cost and speed up the pace of sequencing.

As a consequence, the structure of the emerging synthetic genetics industry is beginning to mirror that of the semiconductor and computer industries, which are based on modular components and design tools.

The key to the vast growth of the computer industry took place during the 1970s when physicist Carver Mead helped give the industry a standard design approach based on modular components. Now that appears to be happening in the synthetic biology world as well.

For someone who has spent the past three decades writing about computing, Dr. Venter’s talk was eye-opening.

“I view DNA as an analog information system,” he said. “ and I hope to convince you in fact that it is absolutely the software of life.”

http://www.washingtontimes.com/news/2009/jul/19/books-whats-next-dispatches-futu... [7.18.09]

WHAT'S NEXT: DISPATCHES ON THE FUTURE OF SCIENCE
Edited by Max Brockman
Vintage, $15, 256 pages
REVIEWED BY JULIE ROBISON

People's exposure to the world of science is too often limited to watching the Discovery Channel or "reading" National Geographic. But the essence of science is not only what is happening today, but what could happen tomorrow. "What's Next? Dispatches on the Future of Science" is a book of science essays collected and edited by Max Brockman. It boasts that the authors of the 18 original essays that make up this book come from a "new generation of scientists" and are the future of science.

The essays cover a range of topics. In "Will We Decamp for the Northern Rim?," Lawrence C. Smith writes that the world can't escape global warming, regardless of policy changes. Stephon H.S. Alexander discusses dark matter and vacuum energy in "Just What Is Dark Energy." Vanessa Woods and Brian Hare's "Out of Our Minds: How Did Homo sapiens Come Down From the Trees, and Why Did No One Follow?" notes the theory of evolution and its relation to humans is still a work in progress.

In his essay, "Watching Minds Interact," Jason P. Mitchell argues that humans are superior because "natural selection has equipped us with an adaptation more fearsome than teeth or claws: the human brain." He reports how neuroscience has begun to show "how exquisitely sensitive our minds are to the goings-on of the minds around us by suggesting that our brains spontaneously mirror the pattern of activity of other brains in our vicinity." This is important because it means we're social beings; "our brains prefer to be in register with the brains around us."

In tandem, Matthew D. Lieberman's "What Makes Big Ideas Sticky?" explores how minds relate to one another. Mr. Lieberman references great thinkers like Descartes, Thomas Aquinas and Plato and compares Eastern and Western religions, saying that while we would "like to think of our beliefs as stemming from some combination of logical analysis and peer influence," they more likely come from genetic roots. This has been seen recently in multiple studies and Lieberman points to "Baldwin Way, a postdoctoral fellow in my lab at UCLA, [who] has recently come across a key genetic difference between individuals of Eastern and Western descent that differentially affects their brains."

Religion and science are usually subjects that get along as well as water and oil, but it does not stop these scientists from tackling them. Evolution and the big bang theory are both discussed at length from differing perspectives in Sean Carroll's "Our Place in an Unnatural Universe" and in Nick Bostrom's "How to Enhance Human Beings."

"Medical science is difficult," writes Mr. Bostrom. "We know this because, despite our best efforts, it often fails. Yet medicine typically aims merely to fix something that's broken. Human enhancement, by contrast, aims to take a system that's not broken and make it better — in many ways a more ambitious goal." He discusses enhancement to give people more mental energy, to increase DNA repair activity in cells, and improve concentration.

Whether scientists should even be making these types of changes is also called into question; the need to make ethical decisions in science are not uncommon, but Sam Cooke asks in his essay "Memory Enhancement, Memory Erasure: the Future of Our Past" whether scientists should. "Some may argue that it is not the role of scientists to make ethical judgments about the potential impact of their work — that such decisions are the job of the government, or the electorate, who should decide which scientific research is funded by public money and which is not."

Nonetheless, Joshua D. Greene believes there is a science to making moral and ethical decisions. In his essay "Fruit Flies of the Moral Mind," he discusses the "complex interplay between intuitive emotional responses and more effortful cognitive processes" involved with making moral judgments.

"People sometimes ask me why I bother with these bizarre hypothetical dilemmas," says Mr. Greene. "Shouldn't we be studying real moral decision making instead? To me, these dilemmas are like a geneticist's fruit flies. They're manageable enough to play around with in the lab but complex enough to capture something interesting about the wider and wilder world outside." An interesting way to view moral dilemmas; it therefore should not be a surprise that Mr. Greene ends the essay wondering if we can ever "transcend the limitations of our moral instincts." This is especially intriguing after reading Christian Keysers' "Mirror Neurons: Are We Ethical By Nature?" and his remark that the "brain is ethical by design."

Story Continues →

http://latimesblogs.latimes.com/jacketcopy/2009/06/does-language-shape-our-think... [7.17.09]

Checkpoint_languages

An essay on how language influences thought from the pop-science anthology "What's Next: Dispatches on the Future of Science" has been posted on The Edge. Author Lera Boroditsky, an assistant professor of psychology, neuroscience and symbolic systems at Stanford, writes:

Most questions of whether and how language shapes thought start with the simple observation that languages differ from one another. And a lot! Let's take a (very) hypothetical example. Suppose you want to say, "Bush read Chomsky's latest book." Let's focus on just the verb, "read." To say this sentence in English, we have to mark the verb for tense; in this case, we have to pronounce it like "red" and not like "reed." In Indonesian you need not (in fact, you can't) alter the verb to mark tense. In Russian you would have to alter the verb to indicate tense and gender. So if it was Laura Bush who did the reading, you'd use a different form of the verb than if it was George. In Russian you'd also have to include in the verb information about completion. If George read only part of the book, you'd use a different form of the verb than if he'd diligently plowed through the whole thing. In Turkish you'd have to include in the verb how you acquired this information: if you had witnessed this unlikely event with your own two eyes, you'd use one verb form, but if you had simply read or heard about it, or inferred it from something Bush said, you'd use a different verb form.

She brings up experiments and other examples involving use of language and direction, time, color and gender, all of which seem to demonstrate that yes, language shapes how we think.

But my favorite is this example above. Only a linguist -- or perhaps a social scientist -- would put Chomsky in a hypothetical. 

-- Carolyn Kellogg

NEWSWEEK [7.12.09]

About 10 years ago, biology entered betting season. An upstart scientist named J. Craig Venter jolted the genetics establishment by launching his own gene-sequencing outfit, funded by commercial investment, and setting off toward biology's holy grail—the human genome—on his own. It was Venter versus the old guard—old because of where they got their money (governments and trusts) and the sequencing technique they wanted to hold onto. Venter won that race, and not because he got there first. By combining the freedom of academic inquiry and commercial capital, he came up with a new way of doing science so effective that it forced the old institutions to either ramp up or play second fiddle.

With Venter's momentum, biology has continued to surge into new territory, but now he's not alone in pushing the pace. In fact, with his staff of hundreds at the J. Craig Venter Institute, he is looking dangerously like the establishment he raced past almost a decade ago. Another maverick in the stable, Harvard biologist George Church, is a titan in the academic world, tackling the major challenges of genomic-age biology with an ingenuity distinct from Venter's. Both are building on the foundation of DNA sequencing, trying to drive down the cost of decoding individual genomes and—the more radical enterprise—using their digital control of cells and DNA to design new organisms. Between them, Venter and Church direct or influence a major portion of work in both sequencing and synthetic biology, including three different commercial efforts to develop bacteria that could produce the next generation of biofuels.

There's reason to believe that Church has a decent chance of unseating Venter as biology's next wunderkind. The field of genomics is only at the beginning of its growth spurt—sequencing, it turns out, was just phase one. Far from producing answers, the sequenced genome has instead led scientists into a thicket of questions: What exactly do combinations of genetic code produce in an organism over a lifetime? If we can read the script, can we also write it? Leading science out of the genomic wilderness arguably calls for a vision more deeply imaginative than the task of the Human Genome Project, which was clearly framed and, at heart, a code-reading slog. Radical invention—the kind of out-of-left-field inspiration that makes a thinker either brilliant or totally unrealistic—is the strength of Church, as opposed to Venter, who is more of an aggregator, a connector of existing ideas and methods. The script of this new biology is largely unwritten, and just because Venter turned the first page doesn't mean that in the end his vision will prevail. "Sometimes," Church says, "it's best to be second."

The quest for ideas farther afield may be one reason Venter joined the Harvard faculty this spring—his first academic post since 1982. (Venter declined to be interviewed for this article.) He and Church are even members of the same research initiative, called Origins of Life, where they're investigating life in its most basic genetic and molecular forms. Venter's participation is a sign of just how widely applicable the high-concept work of the university could be. More than ever, over the uncarved terrain of the new biology, Venter and Church are blurring the distinction between the academic and the commercial. Steven Shapin, a Harvard historian of science, says that at this point we must "stop categorizing—and just look at what these people are doing." On top of all the daring science, Venter and Church are also conducting a "sociology experiment": "They're making up their own social roles," Shapin says, "making up themselves." All the while, Church insists that he and Venter are "not right on top of each other" but are "part of the same ecosystem," fulfilling different roles. Then again, Shapin points out, "the lion and the wildebeest are in the same ecosystem." The question is, who's the lion?

http://timestranscript.canadaeast.com/opinion/article/727019 [7.12.09]

By Norbert Cunningham

Hello everyone! I've a little science today, but first note that language is a communication tool; it's what allows us to relate our experiences and thoughts, all, of course, as processed by our brains.

And while we don't yet understand how our brains work very well, scientists have lately been making remarkable progress, in part thanks to new technologies such as MRI scanners that allow them to observe healthy (as well as damaged) brains as they work.

Time flies

Now to connect this to language: we've all heard or used the cliché that "time flies."

Anybody over 40 has also likely remarked at how much faster time flies as you get older. It's a common observation many find puzzling: why does summer as a youngster seem "endless," yet pass in the blink of an eye to adults who swear it was only a couple weeks ago that they put the snow shovel away?

Does time speed up in some magical, bizarre way as we age?

Do people in traumatic events like car crashes actually witness time slowing down as they so often report?

The intuitive answer is that these are matters of perception more than reality in which time has been said to flow like a river, sure and steady (only, as Einstein showed, does time actually slow significantly enough to truly notice if you travel at incredibly high speeds beyond anything most of us will ever experience).

That intuition it is our perception has been shown to be correct, so why do we perceive time to speed up as we age? Our everyday language and the millions of people commenting on the fact are not wrong: the perception is real.

Perception

I take the following from an essay titled "Brain Time" by Dr. David M. Eagleman which appears in a book called "What's Next? Dispatches on the Future of Science," edited by Max Brockman.

Dr. Eagleman is a bright young scientist who has undergraduate degrees from Rice University and Oxford University in literature, but who obtained a doctorate in neuroscience from the Baylor College of Medicine 11 years ago. Today he is director of the Baylor College of Medicine's Laboratory for Perception and Action. The lab's long-term goal is to "understand the neural mechanisms of time perception," which in plain English is to figure out how our brains make us think time has slowed or sped up when it hasn't. It was his and his colleagues' work that allowed me to say that our intuitions are correct: people in traumatic situations do perceive time to slow, but a hair-raising experiment shows they have no extra time to react or do anything extra beyond what would normally be possible.

An explanation

We perceive the slow motion because time and memory are "tightly linked," says Dr. Eagleman. In such critical situations a part of our brain called the amygdala kicks into high gear and takes over most of the brain's resources. This forces a secondary memory system to do the processing, a system that can later produce flashbacks of the sort soldiers with post-traumatic stress experience. This backup memory is "stickier" than what our brains usually use to store memories, producing more vivid and clear images in our minds; more detail. And in remembering these, since there are many more images, just like inserting extra images in a movie reel, it makes the event appear to last longer and slows motion down. That much is fairly certain.

Less certain, but strongly suspected by Dr. Eagleman, is that the same or a similar process is what makes time seem to speed up as we age. As we experience ever more in life, familiar patterns recur and the memories our brains store get ever more compressed. Our brain can skip or compress a lot of things we know or have already experienced because we've got the general template from the first time and it need add only new details. As a result, when we draw on our memory, it is much less vivid and detailed, having the effect of cutting some frames out of a film, which seemingly speeds time up. Children, on the other hand, are frequently having first-time experiences, encountering novel things. Their brains store that information in all its detail and richness since it is the first time. Recalling it, even decades later, we remember those "endless summers" and wonder whatever happened to them. This is not "proven" yet, but it sounds logical and fits with what is known about the sensation of time slowing when in a critical situation. It's a good tentative explanation.

Full circle

So it's back to language, which does describe what we perceive well. But time to us is not really a steady flowing river after all. It's relative, according to how our brains stored our memories. And time flies as we age . . . it seems.

The last word

Here is author and wit Douglas Adams:

Time is an illusion. Lunchtime doubly so.

* Lex Talk! is researched and written by Times & Transcript editorial page editor Norbert Cunningham. It appears in this space every Monday.

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